Langstreckenlauf-Gemeinschaft Mauerweg Berlin e. V.

Gut für den Po, schlecht für Pussis – Sylke Bistron beim S1 Trail in Italien

Lachen und Laufen gehören bei Sylke Bistron zusammen – wer mit ihr unterwegs ist, muss Langeweile nie befürchten. Nachdem sie im vergangenen Jahr vorsichtig das Trail- und Ultralaufen für sich entdeckt hat, ist 2017 auch Europa nicht mehr vor ihr sicher. Hier Sylkes Bericht vom S1 Trail – La Corsa della Bora über 57 Kilometer am 6. Januar in Italien:

“Ich bin fertig. Nicht nur mit dem Lauf in Italien, S1 Trail La Corsa della Bora, sondern auch mit mir . Bereits vor zwei Monaten wurde ich vom Devrim höflich überredet. 57 km mit 2.500 hm. Nix für Pussis, Mädchen, Weicheier. Mein Treppentraining für die nächsten zehn Jahre habe ich erfolgreich absolviert.

15940505_1749400055388038_4013796870791782320_nDieser Lauf ist für die Damenwelt perfekt. Beugt Winkeärmchen vor und macht garantiert einen knackigen Popo. Bereits nach 15 km wusste ich, wozu der Haftungsausschluss zu unterschreiben war. Wir hatten da bereits eine riesige Geröllwand hinter uns.

Den Weg sah man immer erst kurz vorher, da eine ganze Bergseite voll mit riesigen Felsen, Schotter und Geröllbrocken war. Mehrere hundert Meter bergab, teilweise als Serpentine, steil runter oder seitlich den Berg gerade runter. Eine steile Seilpassage und natürlich Abhänge. Also nix für Asphaltschlappen. Zum Schluss ging es am Strand auf riesigen Felsbrocken kletternd entlang. Der Wahnsinn.

15940564_1749400108721366_721191117866484379_nWer nicht trittsicher ist und Höhenangst hat, braucht gar nicht erst diesen Trip buchen. Beim 1. VP dachte ich schon, dit wird knapp mit meinen eigenen Gels und Riegeln. Ab dem 2. VP wäre ich am liebsten immer ausgestiegen: Leckerster italienischer Kuchen, Schinken frisch von der Keule abgeschnitten auf Baguette, Panettone, frische Orangen und und und. Isogetränke, warmer Tee und sogar Bier aus Deutschland.

15873157_1749400152054695_7675403192084285321_nAn zwei Straßenabschnitten sperrte die Polizei kurz für die Läufer die Straße. Zum Anfang hatten wir sogar einige km in Slowenien, wo ebenso einige Polizisten zu sehen waren. Gefühlte 50 Prozent waren für mich Mauerweg-Asphaltschlürfer nur gehend zu bewältigen. Steine, Felsen, Geröll ohne Ende. Mehrere Abschnitte wurden sogar von der Bergrettung überwacht, da sie so gefährlich waren.

Dass dieser Weg auch für Wanderer sein soll, ist für mich unvorstellbar. Die Seilpassagen gibt es sonst nicht. Und ohne Seil ist es viel zu steil. Da helfen auch keine Trailstöcke.

Dass ich meine sexy roten Trailstöcke dabei hatte, habe ich nie bereut. Das erste was mir Devrim jedoch eingetrichtert hat, war “die Handschlaufen bei Bergabpassagen unbedingt ausklinken”. Ein Hand-oder Armbruch ist sonst vorprogrammiert. Zum Üben hatte ich vorher keine Zeit, war auch nicht nötig. Ergibt sich alles wärend eines Laufes.

15965488_1749400405388003_2390626837510674313_nStephan Hahn begleitete uns ab km 27 ca., nachdem sein Sohn leider verletzungsbedingt ausgestiegen war. Die Sonne begleitete uns vom Start bis zum Sonnenuntergang. Schöner ging wirklich nicht.
Nur drei Tage zuvor fegte die berüchtigte Bora mit ca 200 km/h übers Land. Das hätte mir noch gefehlt.

Dieser Lauf hat vielleicht 1 % Asphalt und 1 % normale Waldwege. Sonst nur Trail, Schotter, Geröll. Für mich Berliner Asphaltschlürfer also eigentlich völlig ungeeignet. Aber was tut man nicht alles für den knackigen Popo. 😂

Das Frühstück am nächsten Morgen in unserem Hotel dauerte zwei Stunden, Rührei, Omelett, drei Brötchen, Melone, zwei kleine Törtchen, zwei kleine Croissants, frisch gepresster Saft und Joghurt und alles vom Feinsten. Hab bestimmt noch was vergessen. Bin gefühlte 10 Mal ums Buffet geschlichen.

Insgesamt hatten wir natürlich einen Heidenspaß. Devrim wäre locker Stunden, wenn nicht sogar 3 h schneller gewesen. Aber er hatte mich ja am Backen.

15940819_1749400455387998_391704409348883598_nAuch nach mehrmaligem Auffordern meinerseits allein weiter zu laufen, blieb er im Schlürfschritt bei mir. Ganze 11:28 h haben wir für dieses Abenteuer gebraucht.

Der Muskelkater in den Armen ist komischerweise ausgeblieben, jedoch in den Oberschenkeln umso ausgeprägter. Der Spa-Bereich wird nachher ordentlich gequält.
Da ich froh bin, gesund im Ziel gelandet zu sein, werde ich diesen Lauf vermutlich nicht nochmal wagen. Aber wer weiß?

Text und Fotos: Sylke Bistron