Langstreckenlauf-Gemeinschaft Mauerweg Berlin e. V.

Damen-Duo der LGM mischt Storkow-Triathlon auf

Manche LGM-Mitglieder haben nicht nur Spaß am Laufen, sondern auch am Radfahren und Schwimmen: Was liegt da näher, als an einem Triathlon teilzunehmen? Unsere mit allen Wettkampf-Wassern gewaschene Andrea hatte sich zum Storkow-Triathlon angemeldet und Frischling Vera Konrad, die erst vor kurzem die Begeisterung fürs Rennradfahren bei sich entdeckt hatte, machte als Triathlon-Debütantin mit. Am Sonntag, 1. Juli, meisterten die beiden auf ihre jeweils ganz eigene Art die olympische Distanz von 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometer Rad und 10 Kilometer Laufen.

Hier die Berichte der beiden:

 Andrea Möhr: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Letztes Jahr habe ich Norbert beim Storkow-Triathlon zugeschaut und fand diesen familiären Charakter in Form eines Volkstriathlons ohne Zielzeiten so toll, dass ich ihn in meine Wettkampfplanung für dieses Jahr eingebaut habe. Die Letzten hatten nicht einmal ein Rennrad und wanderten auf der Laufstrecke. Das könnte ich auch ohne Training, dachte ich ein Jahr lang.

Vera hatte einen kleinen Triathlon gesucht, der familiär ist und schon war unser Vorhaben beschlossene Sache. Wir haben gerade mal die letzten Startplätze abbekommen, auf das Lesen der Ausschreibung habe ich verzichtet. Was sollte sich ändern?

Gefühlt gut vorbereitet
Ich bin dann mal im Juni in meinen Regenerationspausen zweieinhalb Mal auf mein Rennrad gegangen, das ich seit Roth 2015 nicht mehr gesehen hatte. Und in die Schwimmhalle habe ich es genauso zweieinhalb Mal geschafft. Freiwasserschwimmen ging einmal, Athletik-Challenge und 100km letztes Wochenende – ich fühlte mich für diesen Triathlon gut vorbereitet. Mein Trainingsniveau dürfte reichen.

Norbert hat mein Rad hergerichtet und das Auto beladen. Ich hatte tatsächlich vergessen, wie viel Kram man beim Triathlon dabei hat. Unglaublich. Mit Vera getroffen und los ging es Sonntagmorgen. Ich war so aufgeregt….

Wo sind die Tourenräder und die Alten?
Die Wetteraussichten waren zum Schauern, doch was soll es. Aber wo sind in der Wechselzone die Tourenräder und Alten? Nur teure Räder, blutjunge Männer, nur wenige Frauen und alle so durchtrainiert. Irgendwie bin ich falsch. Ach ja, da war ja was. Der Sprecher sagte es: Es waren die Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften, es gab zwar auch die offene Wertung, aber da ich mich selbst nicht angemeldet habe. Ich wusste das nicht und Vera auch nicht. Jetzt müssen wir da durch. Zu unserer Freude begrüßte uns Sylke Bistron, die als Streckenposten an der Laufstrecke ihren Dienst versah. Die LG Mauerweg lässt nichts aus.

Zu allem Übel war Neoprenanzug-Verbot. Ich hatte zufällig die Hauptkampfrichterin befragt und meine Trauer bekundet. Der Neoprenanzug (Neo) bringt eine bessere Schwimmlage und diese Unterstützung brauche ich dringend. Zum Glück hab ich den Badeanzug in letzter Sekunde eingepackt. Doch dann zogen dunkle Wolken vorbei, der Wind frischte auf und eine erlösende Durchsage: „Es darf mit Neo geschwommen werden.“ Szenenapplaus aus der Wechselzone.

Aufregung ist ansteckend
Vera war am Schwimmstart so aufgeregt, sie steckte mich an, ich bekam sogar ein wenig Angst. Was mache ich da nur? Das Gefühl kenne ich ja gar nicht. O-Ton Norbert: “Du musst auch überall mitmischen….” Beim Briefing sagte der Sprecher sagt, es sind beim Rad alle 5 km Schilder zur Orientierung aufgestellt. Ich denke: “Es haben doch alle einen Tachometer, wozu die Schilder?”

Schwimmstart 1,5 km, zwei Runden, man ist das weit. Ich bin sofort Letzte. Die letzten 300 Meter der ersten Runde Krabbelwasser, weil es ja der Wind gut mit uns meint. Ich bin aber gut gesichert, habe ein Begleitkanu nur für mich. Die Dame ruft mir was zu, ich verstehe nichts mit Ohrstöpseln und zwei Badekappen. Ich war doch ein wenig vom Kurs abgekommen, durch die Wellen sah ich die kleineren Bojen schlecht. Angriff zweite Runde, ich sehe Norbert auf dem Steg stehen und er ruft etwas. Egal, sonst ist es umgekehrt: ich höre, aber sehe ihn nicht…

Plötzlich Paddel zwischen den Beinen
Ich schwimme und meine Gedanken sind bei Vera: Wie geht es ihr? In der zweiten Runde koste ich dann mehrmals das Wasser bei dem welligen Abschnitt, bevor ich ein Paddel zwischen die Beine bekomme. Mein Kanu wollte mir den Weg zeigen….

Als letztes komme ich aus dem Wasser, denn es sind keine Räder mehr in der Wechselzone. Als ich komme, rennt die Vorletzte aus der Wechselzone. Die ist weg. Ich brauche zum Umziehen 5 min – eine Ewigkeit. Aber eine Oma muss aufpassen, dass sie auf dem Rad nicht erfriert und ich ziehe mich etwas wärmer an. Sylke feuert mich an. Die Schnellen sind schon auf der Laufstrecke.

Die 40 km sind überraschend hügelig,  denn ich hatte mich damit überhaupt nicht befasst. Ich trete ganz schön, aber Hilfe, mein Tacho geht nicht. Also für Leute für mich sind die Schilder aufgestellt. Hätten wir das auch geklärt…

Mit Helm auf die Laufstrecke
Ich habe schon wieder Begleitung, das Schlussmotorrad rattert hinter mir her. Wind von hinten, aber es geht bergauf. Das gibt es doch nicht. Es ist eine Pendelstrecke mit zwei Runden. Ich sehe Vera und dann auch die Vorletzte. Geht da noch was? Nur nicht zerschießen, du hast nicht trainiert. Also zügele ich mich auf der ersten Runde. An der Wende sehe ich, dass der Abstand kürzer wird. Ich gebe alles, auch auf die Gefahr hin, zu überziehen. Das Risiko gehe ich ein.

Beim Wechsel bin ich jetzt schnell, musste aber noch mal ein paar Meter zurück, weil ich den Helm vergessen hatte abzunehmen. Wie blöd. Mit ca. einem Kilometer Rückstand gehe ich auf die 10-km-Stecke. Ich laufe wie auf Eiern, meine Oberschenkel sind völlig zermatscht. Ich habe Bauchweh wie bei jedem Triahlon, das ist nichts Neues. Nach ca. zwei Kilometern geht es besser. Ich werde nun begleitet von dem Schlussfahrrad. Mein System kann ich aufnehmen und mein Begleiter verrät mir, dass ich 6 km/h laufe. Eine Uhr habe ich selbst nicht bei, deshalb glaube ich das nicht.

Abstand nochmal eben verkürzen
Bei der 5km-Marke stehen Norbert und Sylke. Norbert ruft mir zu: „28 für 5“. Ich bin äußerst erfreut über das Tempo und kann das auch halten, obwohl ich Bauchweh habe. Ich sehe Vera und erkenne, dass es ihr gut geht und sie rund läuft. Ich kann den Abstand zur Vorletzten verkürzen und am Ende auf 18 Sekunden drücken. Mit einer 10km-Zeit von 56 Minuten bin ich total happy und damit nicht die Langsamste auf der Strecke.

Fazit: Ob ich noch einmal einen Triathlon quasi ohne richtige Vorbereitung mache, weiß ich nicht. Eher nicht. Das ist Stress. Und Norbert sagt beim Einparken vor der Tür: „Herzlichen Glückwunsch, bin stolz auf dich, du hast erfolgreich den letzten Platz verteidigt.“

Herzlichen Glückwunsch Vera zum Finish Deines ersten Triathlons. Du hast ein Kämpferherz.

 

Vera Konrad: Einfach nur finishen – aber gleich auf olympischer Distanz

Nach effektiv drei Wochen Training und einer anhaltenden Rückenverletzung ging ich am 1. Juli gemeinsam mit Andrea an den Start auf der olympischen Distanz. Ich war wirklich aufgeregt und ziemlich eingeschüchtert von den kostspieligen Zeiträdern und den abgeklärten Triathleten, von denen ich in Storkow umgeben war. Ich – fast als einzige ohne Neoprenanzug und mit normalem Rennrad – startete also mit dem Ziel einfach nur zu finishen und den Wettkampf zu genießen, das Wetter passte schließlich auch.

Panik nach 200 Metern
Das ging dann beim Schwimmen auch direkt in die Hose. Nach keinen 200 Metern hyperventilierte ich, bekam Panik und hätte nur weinen können. Das Rettungsboot kam sofort zu mir gefahren und die anderen Schwimmer waren schon an der ersten Boje vorbei. Ich stellte mir die Frage, ob ich nicht einfach ins Boot steigen und abbrechen sollte. Aber ich entschied mich anders: Ich hielt mich einige Sekunden am Boot fest und versuchte mich zu beruhigen. „Denk an Andrea´s Worte: Finde deinen Rhythmus. Drück den Reset-Button.“ Ich schaffte es die Panik beiseite zu schieben und begann wieder gleichmäßig zu atmen und startete von vorn. Ein Schlag nach dem anderen. Nach ca. 500 Metern hatte ich mich gefangen und schwamm ruhig und gleichmäßig. Trotz teilweise fiesem Wellengang und nicht näher kommen wollenden Bojen. Nach einer Dreiviertelstunde schaffte ich es dann endlich ans Ufer, wo mich Norbert begrüßte und mir etwas Feuer unterm Hintern machte.

Der Wechsel lief super und ich war heiß aufs Radfahren. Ich ballerte los, hatte Spaß auf der hügeligen Strecke und musste mich immer wieder bremsen, um mich nicht völlig zu verausgaben. Schließlich warteten auf mich noch 10 Kilometer Laufstrecke. Mein jugendlicher Ehrgeiz ließ sich trotz Gegenwind jedoch nicht wirklich bremsen, was mir meine Beine beim Laufen heimgezahlt haben.

Laufen wie auf Eiern
In der Wechselzone lief wieder alles reibungslos – Schuhe schnüren, LGM-Trikot anziehen. Die ersten Kilometer lief ich standardmäßig wie auf Eiern und auch mein Rücken machte sich nun bemerkbar. Trinken ging auch nicht mehr. Der Gedanke des Abbruchs kam nicht nur einmal.

Aber irgendwie schaffte ich es mit einem konstanten 6er Pace doch ins Ziel und ließ den Freuden- und Erschöpfungstränen freien Lauf.

Andrea kam wenige Minuten nach mir ins Ziel und ich war froh, dass wir es gemeinsam geschafft haben.

Ich bedanke mich für die grandiose Unterstützung und habe gelernt, dass ich unbedingt mentales Training machen möchte. Beim Laufen habe ich mich in meinen Schmerz hineingesteigert, was es nicht leichter gemacht hat. Ich bin aber auch sehr stolz, dass ich die Lage beim Schwimmen gemeistert habe.

Texte: Andrea Möhr, Vera Konrad
Fotos: Norbert Möhr

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