Langstreckenlauf-Gemeinschaft Mauerweg Berlin e. V.

Als Multi-Mitmacher beim Mauerweglauf

Der Mauerweglauf ist jedes Jahr wieder das Top-Event der LG Mauerweg – praktisch alle Vereinsmitglieder sind hier irgendwie involviert – ob als Läufer oder Volunteer. LGM-Vereinsmitglied Matze Weiser schreibt über seine multiplen Erlebnisse als Läufer, Helfer und Zuschauer.

“Ein paar Tage ist das 100Meilen-Wochenende schon her und immer noch habe ich diese zahlreichen Erlebnisse, Emotionen und Erfahrungen in mir, die mich zu einem allumfassenden Danke veranlassen an so viele Menschen, die dabei waren, die ich getroffen habe, mit denen ich gelaufen bin, die etwas organisiert haben. An diesen drei Tagen ist so viel passiert und ich konnte aus ganz unterschiedlichen Perspektiven daran teilhaben. Viele Menschen kenne ich mittlerweile durchs Laufen, manche erkenne ich erst auf dem zweiten Blick. Fast alle sind in meinem Lebensereignis, wenn möglich, mit aufgeführt. Ich möchte euch damit danke sagen, dass wir uns kennengelernt haben und eure Teilnahme und/oder für euren Einsatz beim diesjährigen Mauerweglauf.

FF im Ramada
Partystimmung vorab: Im Ramada am Freitag mit der Fast-Forward-Staffel.

Mit einigen von habe ich nur Sekunden oder Minuten verbracht, mit einigen sogar Stunden. Darüber möchte ich gerne berichten, um auch zu zeigen, was dieses Wochenende um den 13. August auch so besonders macht.

Dieses Jahr mal strukturierter angehen

Nachdem ich letztes Jahr als Startläufer einer 4er-Staffel und Stadion-Volunteer mit mehr als 40 Stunden (davon eine Stunde Schlaf) in die Veranstaltung involviert war, ging ich es dieses Jahr strukturierter an. Freitag Volunteer, Samstag Läufer und Sonntag Atmosphäre genießen – zunächst im Stadion sowie später bei der Siegerehrung.

Damit ich an letzterer auch teilnehmen konnte, musste erstmal ein Staffelteam her. Im Januar liebäugelte ich noch damit, eine eigene 4er-Staffel zu initiieren und selbst den Ultrateil von 60 Kilometer zu laufen. Wenig später erfuhr ich vom Projekt der Initiatoren des Fast-Forward-Lauftreffs Anna Rentsch und Steffen Bruntsch, eine 10plus-Staffel an den Start zu bringen, die die 161 Kilometer in unter 13 Stunden bewältigen wollte. Ich war sehr glücklich über die Zusage bei diesem Vorhaben mit dabei sein zu dürfen. Am Samstagmorgen waren wir dann 21 Läufer, die das Vorhaben gemeinsam verwirklichen wollten.

Mauersteinausgabe
Steine mit Geschichte: Matze bei der Ausgabe der Mauersteine.

Schon am Freitag hatten meine zweiten 100Meilen Berlin um 11:00 begonnen. Ich hatte das Glück im Team Startnummernausgabe unter der Leitung von Christiane Krüger einen kleinen Beitrag zur Veranstaltung beitragen zu können. Christiane hatte ich beim Volunteer-Fest im Frühjahr kennengelernt und mir meinen Platz gesichert. Mit großem Engagement hat sie sich eingebracht, so dass wir uns auf unsere Aufgaben konzentrieren konnten. Wir waren ungefähr 15 Leute im Team, darunter mein Freund Norbert und die LGM-Mitglieder Antje und Jess. Später waren auch Nina, Harald und Beate vor Ort, die den Verkaufsstand der LG Mauerweg betreuten. Jörg Levermann war fürs Fotografieren der Läufer zuständig. Meine sechs Stunden vergingen wie im Fluge und das Beste daran war, wie viele bekannte und unbekannte Menschen ich in der Zeit (wieder) getroffen hatte. Meine Hauptaufgabe war es, den Läufern einen Berliner Mauerstein mitzugeben. Immer wieder wurde ich nach dem Preis gefragt und ernte immer wieder ein Lächeln, als ich antworten konnte, dass für jeden Teilnehmer einer zur Verfügung stand. Später übernahm das Thomas Steinicke, der diese Andenken sonst verkauft.

Viel positive Energie zu spüren
Viele der 350 Einzelstarter, darunter auch die Ersttäter meines Vereins Jörn, Jens und Olaf oder Wiederholungstäter wie Mike, Jörg, Sigrid oder Oliver habe ich gesehen und auch zahlreiche Staffelteilnehmer. Es war für mich persönlich eine tolle Einstimmung, die dann im Kreise meiner Staffel am späten Nachmittag eine Fortsetzung erfuhr. Jeder bekam seinen Startbeutel und -nummer, bevor es dann zur Pastaparty ging. Die Vorbereitung der Beutel hatten am Vorabend u. a. Andrea, Christiane, Harald übernommen. Auch dort traf ich viele Menschen wie Marion, Stephan, Jörn, Sven, Nicole, Hupsi, Miguel, Simone usw. Es war so viel positive Energie zu spüren und diese Vorfreude auf den Renntag. Die finale Einstimmung dafür fand beim Briefing statt, das locker und lustig von Hajo und vom Rennarzt Carsten Bölke moderiert wurde. Anschließend gab es das erste Teamfoto. Um 22:00 war ich zu Hause und eigentlich reif fürs Bett. Die Aufregung verhinderte ein frühes Einschlafen, so dass ich beim Weckerklingeln um 4:30 Uhr bestimmt nur vier Stunden geschlafen hatte.

vorStart
Große Vorfreude: Anna, Matze und Steffen am frühen Samstagmorgen, kurz vor dem Staffelstart am Cantianstadion.

Sei es drum, es war der Tag gekommen, auf den mein Team und ich so lange hin gefiebert hatte. Den Start der Einzelläufer um 6:00 wollte ich mir wie auch schon letztes Jahr nicht entgehen lassen und war rechtzeitig da. Ich habe 24 LäuferInnen in der Startliste gezählt, die für die LG Mauerweg an den Start gingen. Weitere Nichtmitglieder wie Isabella und Kay habe ich auch getroffen. Über dem Ganzen war so eine schöne Stimmung, die ich als noch intensiver empfand als bei meinen bisherigen diesjährigen Highlight: dem Rennsteigstart in Schmiedefeld. Als die Einzelläufer das Stadion verlassen hatten, war keineswegs Ruhe, denn nur eine Stunde wurden auch die Staffeln auf die Strecke gelassen. Mit Anna, Anna, Steffen und Pierre waren weitere Teammitglieder da, die unseren Startläufer Clemens verabschieden wollten. Mit Läufern anderer Staffeln habe ich die Minuten verbracht. Dio, Claudia und Mario etwa standen vor ihrem ersten offiziellen Ultra. Olaf übernahm den Start für seine 2er-Staffel, die er mit Stefan bildete, genauso wie Thomas, der sich mit Sylke die 100 Meilen teilte. Heike, Amrei und Chrissi waren Startläufer ihr 4er-Staffeln, während Simone für ihre 10plus-Staffel die ersten Kilometer übernahm. Wahrscheinlich habe ich noch mehr getroffen und ich habe mich über jeden gefreut. Stefan hat sie bestimmt alle fotografiert und an dieser Stelle ein großer Dank an ihn.

Am Stadion aufgewachsen
Nach dem Start musste erst eine knappe Stadionrunde gelaufen werden, bevor es auf die Strecke des Mauerweges ging. Clemens setzte sich sofort an die Spitze und verließ somit als erster das Gelände. Unter ebenso großer Anfeuerung folgten die knapp hundert weiteren Staffeln. Dann wurde es ruhig und ich ging zum Start, um für einen kurzen Moment ganz für mich zu sein. Dieses kleine Stadion an der Cantianstraße ist für mich etwas ganz Besonderes, wahrscheinlich auch, weil ich es schon seit meiner Kindheit kenne. Ich bin keine 300 Meter entfernt aufgewachsen und habe die ersten 15 Jahre dort gewohnt. Jetzt bin ich jede Woche Donnerstag zum Lauftraining hier, konnte einige Grundlagen für meine Lauferfolge legen und ein so toller Lauf hat hier sein Start und Ziel. Ich bin sehr glücklich darüber. Olga und ihr Team waren schon seit Stunden im Stadion, um für die Verpflegung zu sorgen. Einen Kaffee genehmigte ich mir gemeinsam mit Martin und Stefan. Dann fuhr ich nach Hause, um mich für meinen Laufabschnitt zu präparieren. Aber nicht ohne ständig das Renngeschehen auf dem Liveticker zu verfolgen.

14054988_1660150197646358_5646757695814990757_nDie ersten Wechsel der Staffel hatten einwandfrei funktioniert und alle waren wie verabredet auf ihre Positionen. Das Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Team Laktat3 hatte begonnen. Mein geplanter Start war 10:25 Uhr, aber um auf Nummer sicher zu gehen, fand ich mich am Verpflegungspunkt (VP) 8 an der Prinzessinnenstraße schon eine halbe Stunde früher ein. Ich freute mich sehr über das mobile Socialmediateam Alex und Itta, das mir in Begleitung von Hajo entgegen kam.

Staffelwechsel früher als geplant
Mein Wechsel erfolgte tatsächlich 12 Minuten früher als geplant und kurz nachdem der Laktat-Läufer samt Fahrradbegleitung vorbeigelaufen war. Es wurde ernst: ein Tempo von 4:21 min/km hatte ich mir vorgenommen. An der Strecke bis zur Osdorfer Straße waren zu Beginn Weiden links und rechts. Ein Windschutz war nicht vorhanden, aber mein Tempo konnte ich gut einhalten. Ich begegnete ein paar Spaziergängern, aber keinem anderen 100Meilen-Teilnehmer. Dafür wurde ich schon von weitem von der Sylke erkannt, die mit ihrem Hund unterwegs war. Ihre Anfeuerungsrufe haben mich sehr beglückt. Nach der Hälfte meiner Strecke wurde ich durch eine einminütige rote Ampelphase zum Ausruhen gezwungen. Durch diese habe ich meine Zielzeit von 25:24 min nicht erreicht, aber dennoch glücklich an Andreas übergeben. An meinem Ziel war eine Liege vorhanden, die für eine kurze Erholung nutze. Danke ans VP-Team für die großzügige Bedienung.

20160813_111412Der Liveticker auf dem Handy verriet mir, dass Jörn meinen Start-VP 8 ebenfalls schon passiert hatte. Kurz entschlossen lief ich ihm entgegen. Zuerst traf ich auf Olli und dann auf den 100Meilen-Debütanten. Nach ein paar gemeinsamen Metern vor und nach dem VP 9 verabschiedete ich mich von ihm, wohl hoffend, ihn am Abend wieder zu sehen. Irgendwie hatte ich schon während der ganzen Woche Lust, auch noch abends auf dem Mauerweg zu laufen. Daher hatte ich zweimal auf Suchmeldungen für Ersatzläufer in 4er-Staffeln geantwortet. Die Engagements haben nicht geklappt, aber ich hatte eine andere Idee. Ich eröffnete Jörn mein Vorhaben am Rande der Startnummernausgabe, ihn ab Hennigsdorf (VP 21) auf seinen letzten 34 Kilometer bis ins Ziel begleiten zu wollen. Er nahm mein Angebot sofort erfreut an und ich hatte meinen Nachtlaufplatz an der Seite meines Freundes.

Immer am Live-Ticker statt zu schlafen
Zu Hause wollte ich mich nach einem Bad eigentlich schlafen legen. Dazu sollte ich definitiv nächstes Mal das Smartphone ausschalten. Immer wieder switchte ich zwischen der Whatsapp-Gruppe meiner Fast-Forward-Staffel und dem Liveticker hin und her, wo ich das Renngeschehen u.a. der Staffeln und von Jörn verfolgte.

Unser Rückstand auf die Laktat-Staffel schrumpfte und plötzlich waren wir sogar in Führung, die auch wieder wechselte. Das ging bis 17:00 Uhr und ich hatte kein Auge zu bekommen. Dennoch machte ich mich euphorisch auf den Weg zum Stadion, um mit den anderen Anna auf den letzten Metern zu begleiten. Bis zum vorletzten VP ging es um den Sieg. Unsere Zeit würde deutlich unter 12 Stunden bleiben, da alle zum einen pünktlichen an ihren Startpunkten erschienen und zum anderen sensationelle Zeiten teilweise deutlich unter 4 min/km hinlegten. An der Max-Schmeling-Halle trafen Steffen und ich auf unsere Schlussläuferin. Der Sieg ging zwar mit 11:04 Stunden ans andere Team, aber unser Stadioneinlauf war ein Triumph. Nach und nach schlossen sich die anderen Mitglieder Andreas, Henry, Michael, Benjamin, Sascha, Uwe, Anna, Pierre, Stefan und Christoph an. 14 von 21 sind gemeinsam auf die abschließende Stadionrunde gegangen. Thomas, Leo, Jana, Heiko, Patrick, Sandra, Corinna und Clemens konnten leider aufgrund der längeren Anfahrt von ihren Wechselpunkten nicht rechtzeitig da sein, liefen aber gefühlt mit. Wir bekamen einen kleinen, aber euphorischen Empfang vom Michelle und ihrem Stadionteam geboten und es war einfach nur Gänsehautfeeling, als wir die Ziellinie nach 11:07 Stunden überquerten. Wir hatten alle Ziele erreicht, fielen uns die Arme und waren einfach nur glücklich. Dass es so knapp nicht zum Sieg gereicht hatte, störte eigentlich niemand so richtig. Jeder hatte sein Bestes gegeben und zu einem tollen Ergebnis beigetragen, das mit einem Tempo von 4:07 km/min erreicht wurde.

Stolzes Mitglied der zweitschnellsten Staffel
Anna hatte etwas Sekt mitgebracht und so konnten wir dann auch mit Patrick, Sandra, Jana und Thomas zusammen feiern und über unsere Tageserlebnisse austauschen. Danke Steffen und Anna für die gesamte Organisation unserer Staffel. Es war etwas Großartiges. Stolz konnte ich als Mitglied der zweitschnellsten Staffel als erster Teilnehmer mein schönes Finisher-Shirt überziehen und fotografisch festhalten lassen.

ff siegerehrung
Stolz auf Platz 2 und den lautesten Applaus: Die Fast-Forward-Staffel bei der Siegerehrung am Sonntag.

Jörns Ankünfte an den jeweiligen VPs verfolgte ich weiter über den Liveticker und schnell war klar, dass nicht wie gedacht gegen 22:00 Uhr unsere Zusammenkunft anstand, sondern deutlich früher. In einer Nachricht stellte er 20:15 Uhr in Aussicht. Um rechtzeitig anzukommen, verließ ich das nette Zusammensitzen und machte ich auf den Weg. Die S-Bahn nach Hennigsdorf verlief sehr unterhaltsam, denn ich konnte mich mit dem Schlussläufer Jan Messlik der Staffel „Trümmertruppe″ anregt über 100 Meilen-Erlebnisse aus diesem und letzten Jahr austauschen.

Am Wechselpunkt im Ruderclub Oberhavel angekommen, traf ich einige Bekannte wie Stephan, Claudia, Miguel und Max. Letzter hat mit Michael seinen Fahrradbegleiter. Michael war in der Fast-Forward-Staffel und stellte sich jetzt auch nochmal in den Dienst eines Vereinskameraden, der Schlussläufer einer 4er-Staffel war. Begrüßt und umsorgt wurde ich auch von Beate, die dort noch den VP betreute, bevor sie noch für ihre Staffel an den Start ging. Ich legte meine Nachtausrüstung bestehend aus Warnweste und Lampe an, holte Jörns Kleiderbeutel und konnte nur warten. Zwar schon etwas geprägt von den bisherigen 127 Kilometern, aber guter Dinge kam er in Begleitung vom Torpedo-Staffelläufer Sven gegen 20:30 an. Ich reichte ihm ein paar Bananenstücke, er nahm ein paar Gels zu sich und präparierte sich fürs das Laufen im Dunkeln und schon verließen das Gelände.

Danke an die Markierer
Ich kannte die Strecke in umgekehrter Richtung, da ich sie im vergangenen Jahr in meiner 4er-Staffel absolviert hatte und gab Jörn einen kurzen Ausblick. Angepeilt waren von mir ein 6:30 min/km-Tempo, das ich Jörn immer zurief, da seine Uhr schon am Vormittag nicht mehr die Strecke aufzeichnete. Wir kamen gut voran, meisterten den ersten richtigen Anstieg nach dem ersten VP in Frohnau und dann dämmerte es. Wir überholten einige andere (Staffel)-Läufer, wurden ab und zu auch von Staffeln überholt, aber die meiste Zeit waren wir allein auf der Strecke. Immer wieder wies ich ihn auf Unebenheiten hin, wobei ich bei einigen Streckenabschnitt mit Kopfsteinpflaster oder im Wald sehr aufpassen musste, da hier zahlreiche Stolperfallen gab. Die Strecke war gut markiert, im Dunkeln gut zusehen. Danke stellvertretend für alle Markierer an Michelle und Andreas Deák. Am schönsten fand ich es, als im Wald die farbigen Lichter den Streckenverlauf wiesen.

Volunteer

Am VP23 – Naturschutzturm hielten wir uns etwas länger auf und Jörn setzte sich dort das einzige Mal in meiner Anwesenheit hin. Ich ließ immer Jörns Wasserflasche auffüllen und holte Verpflegung. Er war immer damit beschäftigt, den Fragebögen für die Studie ausfindig zu machen, um dort seinen Verzehr zu dokumentieren. An den VPs 24 und 25 hielten wir uns nicht lange auf, wurden aber immer wieder vom Schweizer Jörg Desteffani überholt. Das fing Jörn an zu nerven. Als Konsequenz zog er das Tempo im Märkischen Viertel auf 5:00 min/km, damit sich das nicht mehr wiederholte. So richtig mithalten konnte ich zunächst nicht, denn ich merkte meine Anstrengung vom Tage schon ein wenig. Das Überholen der an Rang zwei liegenden Frau haben wir dann wieder gemeinsam vollbracht. Diese wurde vom LG-Mauerweg-Mitglied Karl-Heinz Kulinski auf dem Rad begleitet. Auch nach dem VP Wilhelmsruh war Jörn nicht mehr für mich zu halten und ich lief fast 500 Meter immer hinter ihm. Um das aufzuholen, habe ich dann den VP Wollankstraße ausgelassen und etwas abgekürzt. Ich habe dann auf ihn gewartet und wir haben gemeinsam die Bornholmer Brücke passiert. Das Hinunterlaufen der Schwedter Brücke hatte war dann die Erlösung auf dem Weg zum Ziel. Jörn würde sein Ziel erreichen. Auf dem Gelände der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparkes wurden wir mit dem ersten Beifall bedacht.

Zieleinlauf mit LGM-Einzelstarter Jörn Künstner
Die letzte Runde wollte ich ihm ganz allein lassen. Aber dieser großartige Mensch wollte mich mit dabei haben. So konnte ich ihm stolz als erster zu seinem Lauf gratulieren. Wieder war es ein tolles Feeling. Das Stadion war mit bunten Lampen ausgeleuchtet, Ecky Broy ging als Moderator völlig in seinem Element auf. Sehr viele Menschen feuerten uns an darunter zahlreiche Vereinsmitglieder, ob Staffelläufer, Volunteer oder Zuschauer. Es war unbeschreiblich. Die Ziellinienüberschreitung überließ ich ihm doch allein, denn es war seine Leistung und sein Moment. Er hatte den ehemaligen Mauerverlauf von 161 Kilometer allein in 18:24 Stunden geschafft, und ich durfte ihn dabei etwas unterstützen. Nur elf EinzelläuferInnen waren schneller. Er wurde sofort von einer neongelben Traube Menschen in Empfang genommen und bekam sein wohlverdientes Finisher-Shirt überreicht. Etwas überrascht wurde ich auch zu meiner Begleitung beglückwünscht. Es waren für mich die Minuten des gesamten Wochenendes. Danke an alle, die Jörn diesen großartigen Empfang beschert haben. Stellvertretend für alle Helfer im Stadion möchte ich Michelle, Steffen, Sascha und Andrea für ihre stundenlangen Einsätze danken. Das ist LG Mauerweg – das ist 100Meilen Berlin.

matze-jörnDa Jörn dann sofort seinen Studienverpflichtungen nachkommen musste, konnte ich mich zu meinen Staffelfreunden Anna, Patrick und Thomas gesellen. Sie waren geblieben, um das Flair dieses Events zu genießen. Auch konnte ich dann die Zielatmosphäre als Zuschauer auskosten, denn die Zielankünfte häuften sich. Patrick war so freundlich, mir mein zweites Zielbier zu besorgen. Meine Beine waren schon etwas steif, aber das konnte sich ändern lassen. Nach einer ausgiebigen Dusche bin ich zur Massage gegangen. Der Rennarzt Carsten Bölke hat ein motiviertes Team an den Start gebracht und ich danke unbekannterweise meinem Masseur für die 45-minütige Rundumversorgung. Am nächsten Tag habe ich keine Zipperlein mehr gespürt. Bis 3:00 Uhr bin ich im Stadion geblieben, um mich mit weiteren Finishern auszutauschen oder Zielankünfte mit anderen gemeinsam zu bejubeln. So habe ich gerade so beim nachhause gehen noch den Einlauf von Silke und Dietmar mitbekommen.

Obligatorische Stadion-Suppe am Sonntagvormittag
Die obligatorische Suppe am Sonntagvormittag wollte ich mir nicht entgehen lassen und unternahm vor der Siegerehrung im Ramada-Hotel noch einen kurzen Abstecher ins Stadion. Dort konnte ich mich mit Sigrid über ihr Ergebnis austauschen. Leider konnte sie mir von keinem erfolgreichen Finish berichten, da sie durch gesundheitliche Probleme zur Aufgabe nach 91 km gezwungen wurde. Du hast alles richtig gemacht. Gritta wollte eigentlich ab Sacrow Sigrid begleiten. Sie begleitete zahlreiche Einzelläufer zu Fuß und kam dabei selber auf 86 Kilometer. Erfolgreich konnte sie Ursula Dinges rechtzeitig zur Zielankunft von 30 Stunden geleiten. Respekt dafür. Mit Harald bin ich dann zum Alexanderplatz gefahren, denn er war spontan zu einem Einsatz in Doreen’s Staffel Shisharunners gekommen.

SiegerehrungDer Saal war mit zahlreichen Staffeln gefüllt und mit fast allen Staffelmitgliedern konnte ich den krönenden Abschluss unseres Staffelerfolges entgegenfiebern. Als vorletztes wurden wir nach vorn gerufen. Wir wurden zwar als Zweiter geehrt, aber unser Applaus war deutlich lauter als für die Sieger. Danke an alle Freunde und anwesende Vereinsmitglieder für diesen Abschluss. Danke auch an Claudia Tetzlaff fürs fotografisches Engagement sowie u. a. Hajo, Itta, Alex, Ronald, Mirko, Anna, Elvira und Simone für die Vorbereitung sowie Durchführung der Siegerehrung.

Siegerehrung der Einzelläufer als Abschluss-Highlight: 
Mein persönliches Abschluss-Highlight gönnte ich mir mit der Teilnahme Einzelläufer-Siegerehrung. Alle Finisher bei der Überreichung ihrer Medaillen, Buckles und Urkunden zu erleben, hatte für mich etwas Erhabenes. 13 Mitglieder der LG Mauerweg haben den Mauerweglauf erfolgreich beendet. Vor allen Finishern und auch alle, die das Vorhaben gestartet haben, aber nicht für ihren Mut belohnt wurden, ziehe ich meinen Hut. Zu ihnen gehörten die anwesenden Jens und Sigrid. Mit ihr unterhielt ich mich während der Ehrung für 5-Mal-Finisher, als Alex eine gesonderte Ehrung ankündigte. Sigrid wurde mit einem Buddy Bear in der Farbe des Finisher-Shirts für ihren vor kurzem 2000. gefinishten Marathon geehrt. Das war eine tolle Idee vom Veranstaltungsteam und die Siegerehrung ein würdiger Rahmen dafür. Die Ehrung der erstmaligen Finisher Jörn und Isabella sowie ein gemeinsames Foto bildeten dann den Abschluss meines zweiten 100Meilen Berlin-Mauerweglauf-Wochenendes.

Ich danke allen Organisatoren, Helfern, Freunden und Läufern für unvergessliche drei Tage und hoffe euch alle spätestens nächstes Jahr wieder zu sehen.”

Text und Bilder: Matze Weiser