„Das Spine Race verändert. Und das ist an den Fotos abzulesen“, erklärte LG-Mauerweg-Mitglied Michael Frenz Ende Februar im Haus des Sports in Kreuzberg. Innerhalb kürzester Zeit zog der leidenschaftliche Ultralangstreckenläufer seine Zuhörer mit seinem Vortrag in seinen Bann, als er von seinem Laufabenteuer in Groß Britannien erzählte. Bei Facebook kennt man ihn als Neues vom Hexer.

Im Januar ging er gemeinsam mit Vereinskamerad Oliver Franz an den Start des spektakulären Non-Stop-Rennens im Süden Englands. Die Strecke führte über den Pennine Way von Edale, etwa 20 Kilometer westlich von Sheffield gelegen, nach Kirk Yetholm in Schottland. Oliver und Michael hatten sich eine selbst für erfahrene Ultralangstreckenläufer kaum vorstellbare Distanz von 431 Kilometer mit rund 11.000 Höhenmetern vor die Brust genommen.
Wenn Schlaf zum Luxus wird
Das Zeitlimit bei dem jährlich stattfindenden Rennen beträgt sieben Tage. Unterwegs gibt es lediglich fünf Verpflegungsstationen, so genannte Checkpoints. „Das Wetter ist unvorhersehbar. Schlaf ist ein Luxus“, schreiben die Veranstalter auf ihrer Website.
Die Checkpoints, untergebracht in einfachen Hütten oder Zelten, sind spartanisch ausgestattet und bieten nur das Nötigste. Daher hat jeder Teilnehmer eine Tasche mit trockener Kleidung und zusätzlicher Verpflegung, die von Checkpoint zu Checkpoint transportiert wird. Maximal 20 Kilogramm darf sie wiegen.
Dauerregen ist das bessere Wetter
„Im vergangenen Jahr hatten wir furchtbaren Wind bei Temperaturen von bis zu -15 Grad. Damals musste ich 30 Kilometer vor dem Ziel aufgeben“, erinnerte sich Michael an das Rennen 2013. Die Entscheidung sei richtig gewesen, denn wenn der Körper nicht mehr mitmacht, drohe ein Notfall mit anschließender Evakuierung. „Es kommen nur wenige an in Kirk Yetholm. Es ist ein Abenteuerrennen“, fügte der Langstreckenläufer hinzu. Von 80 Startern seien letztendlich nur 30 in diesem Jahr im Ziel angekommen. Der Sieger des Vorjahrs habe bereits nach 100 Kilometern das Handtuch werfen müssen.
Die Pflichtausrüstung, unter anderem ein Schlafsack, ein winziges Biwak, Notfalldecke, Regenjacke, warme Ersatzjacke Ersatzbatterien für GPS-Gerät und Stirnlampen und Vieles mehr finden in einem Rucksack Platz.
„550 Pfund, also rund 670 Euro beträgt das Startgeld“, erläuterte Michael. Hinzu komme noch die eigene Ausrüstung. Was das Rennen so kostspielig macht sei vor allem das Mountain Rescue Team, die englische Bergrettung, die für den Notfall bereit stünden, um gegebenenfalls verletzte Athleten zu bergen. Innerhalb von 20 Minuten hätten Bergretter einen Teilnehmer mit einem gebrochenem Bein ins Krankenhaus geflogen. Eindrucksvoll vermittelten die Fotos, welche Gefahren die Strecke durch die hügeligen Landschaften mit Hochmooren, kahlen Höhenzügen und Schluchten aufwarten. Die teilweise kaum gekennzeichneten Wege haben mit den gut ausgebauten Forstwegen hierzulande kaum Gemeinsamkeiten.
Vor dem Start im Hotel habe er kaum ein Auge zumachen können. Dazu sei man viel zu angespannt, weil es nach der intensiven Vorbereitung nun endlich los gehe. Kurz vor dem Start habe es kräftig geregnet, berichtet der Hexer
Besonders nachts könne es bei Nebel riskant sein, weiter zu laufen. „Besser ist es, ein Biwak aufzuschlagen und die Nacht zu ruhen“, riet Michael Läufern, die mit dem Gedanken spielen, sich ebenfalls der Herausforderung auf dem Pennine Way zu stellen. An Hand der aufgezeichneten GPS-Spur eines Teilnehmers sei deutlich erkennbar gewesen, dass er von der Strecke abgekommen und auf einem besonders steilen Streckenabschnitt mehrmals versucht habe, die Höhe zu erklimmen. „Das hat ihm wertvolle Zeit und vor allem Kraft gekostet“, erläuterte Michael. Aber auch ihm selbst sei es passiert, dass er sich verlaufen habe.
„Nach rund 30 Stunden musste Oliver aufgeben“, erzählte Michael. „Ich hatte erst eine Woche vor dem Start eine Erkältung, und die war wohl noch nicht ganz auskuriert“, ergänzte Oliver. „Ohne Oliver war es für mich mental noch schwieriger, weiter zu laufen“, fügte Michael hinzu.
500 Gatter kosten viel Zeit
Aber nicht nur das bergige Gelände mit Anstiegen auf bis zu 800 Meter über dem Meeresspiegel machen das Rennen zu einer Tortur, sondern auch die rund 500 Gatter, die zu überwinden seien. Das koste viel Kraft, da man entweder eine kleine Treppe erklimmen muss oder zwei kleine Tore öffnen und hinter sich wieder schließen müsse.
Zeitweise ist Michael gemeinsam mit Thomas Ehmke gelaufen. Bei Malham Tarn wollten die beiden in einer öffentlichen Toilette übernachten. Es habe sich aber heraus gestellt, dass die Damentoilette viel sauberer gewesen sei. „Auf dem Toilettendeckel konnte man prima kochen“, beschrieb Michael den fragwürdigen Luxus dieser Unterkunft. Immerhin hätten sie rund drei Stunden schlafen können.
Insgesamt sei das Wetter während des Rennens deutlich besser gewesen als 2013, da es nicht so kalt war. Allerdings hätten sie die Regenjacken unterwegs nicht mehr ausgezogen.
Nach 108 Meilen beginnt das eigentliche Rennen
„Das eigentliche Rennen beginnt erst nach dem Ziel des Spine Challenge, dem Ultra-Rennen über 108 Meilen beim Spine Race“, erklärte Michael. Die Strecke führe danach durch Moore und sei zum Teil mit Pflöcken gekennzeichnet, die am oberen Ende weiß markiert sind. „Im Nebel sieht man sie nicht. Ich habe mich da voll und ganz auf mein GPS verlassen“, versicherte Michael. Der schönste Streckenabschnitt aber führe entlang des Hadrianwalls.
Schwierig war es, sich unterwegs zu verpflegen, denn die Distanz zwischen den Checkpoints betrug etwa 80 Kilometer. Um so wichtiger war es für alle Teilnehmer genug Energiereserven und Wasser im Rucksack bei sich zu führen. „Für mich hat sich ein Gemisch aus Peronin und Kaffee als ideal heraus gestellt“, erläutert der leidenschaftliche Ultralangstreckenläufer. „Davon trinkt man nur kleine Schlucke, hat sozusagen den kalten Espresso im Mund und spült ihn mit Wasser runter“, fügte er hinzu. Peronin ist ein Pulver, das aus mittelkettigen Triglyceriden besteht. Im Wesentlichen ist das ein Neutralfett.
In den Ortschaften auf der Strecke haben sich viele Läufer auch in Pubs verpflegt. Zwar gäben sie einem eine gewisse Sicherheit, aber man brauche diese Zwischenstopps nicht wirklich, vermutete Michael. Es sei aber auch ganz amüsant gewesen, in einem der Pubs beim Bingo mitgespielt und dabei Freigetränke gewonnen zu haben. Dennoch wolle er im nächsten Jahr darauf verzichten.

Das Spine Race habe eine gewisse Magie, fasste Michael zusammen, was ihm an dem Extremrennen so fasziniert. Vor allem sei es aber der Spaß an der gemeinsamen Vorbereitung gewesen, was ihn motiviert habe. Ihm sei aber klar, dass das Rennen 2015 sicher ganz anders verlaufen werde. Ihm gefalle vor allem aber das Abenteuerliche an diesem Rennen.
Tipps für die Vorbereitung auf das Laufabenteuer
Zur Vorbereitung auf solche Ultralangstreckenläufe empfahl er regelmäßig an drei Tagen hintereinander zu laufen: 25 langsam, den zweiten Tag 27 Kilometer etwas schneller und am dritten Tag rund 30 Kilometer noch schneller. Zusätzlich laufe er gelegentlich längere Strecken, aber nicht mehr als 80 Kilometer am Stück. Weitere Kondition baut sich der erfahrene Ultralangstreckenläufer bei Ultramarathonläufen, wie dem Mozart100, einem 100-Kilometer langen Rennen im Salzburger Land auf.
Michael Frenz ist von den Veranstaltern des Spine Race zum offiziellen Botschafter des Rennens in Deutschland ernannt worden. Für 2015 gibt es noch freie Startplätze. Qualifikationspunkte wie beim legendären Ultra-Trail du Mont-Blanc müsse man dafür nicht vorweisen ermutigte Michael die Zuhörer im Kreuzberger Haus des Sports sich für das Abenteuer in England zu anzumelden.