Seit einem reichlichen Jahr laufe ich nun regelmäßig. Bisher meistens allein. Im Jahr 2014 habe ich für mich viel erreicht. Auch lange Läufe um die 30 km waren im Sommer dabei. Mein Ziel: Marathon laufen. Das Training lief gut, ich freute mich auf das erste Mal 42,195 km. Drei Tage vorher wurde ich krank. Damit war der erste Marathon plötzlich in weite Ferne gerückt. Es mussten neue Ziele her.

Dann stieß ich im Internet auf die Berliner Mauerwegläufer. Die verschiedenen Laufangebote weckten mein Interesse, vor allem der 25 km lange Mauerweg-Lauftreff, der an jedem 2. Sonntag im Monat stattfindet. Die XXL-Läufe der LGM schaute ich mir gar nicht erst an, sie schienen mir bei meinem Trainingsstand in weiter Ferne. Meine erste Teilnahme am Lauftreff begeisterte mich, so gefühlt locker und leicht war ich 25 km vorher noch nicht gelaufen. Mir war klar, dass es nicht mein letztes Mal mit den Mauerwegläufern gewesen sein sollte.
Dann las ich von einem Vereinsmitglied, der kurz nacheinander seinen ersten Marathon und auch seinen ersten Ultra lief. Irgendwie faszinierte mich das und ich dachte mir: „Das müsstest du doch auch schaffen.“ Schließlich hatte ich ja auf einen Marathon hin trainiert.
Dann stand im Januar der THF6 an. 6-Kilometer-Runden rennen auf dem Tempelhofer Feld? Wird das nicht langweilig? Andererseits könnte das auch eine gute Möglichkeit sein, mal auszutesten was geht. Und wenn man nicht mehr kann, hört man einfach auf. Ein großer Vorteil in meinen Augen. Also meldete ich mich kurzerhand an. Mein heimliches Ziel: 50 km. Na ja, „nur“ ein Marathon wäre auch schon schön. 30 km sollten es aber mindestens werden.
Als ich dann am Sonntagmorgen auf den Treffpunkt zusteuerte, sah ich die meisten neongelben LGM-Läufer schon loslaufen. Mist, zu spät, dachte ich. Glücklicherweise war ich aber nicht der einzige, dem es so ging. Ich musste also nicht alleine loslaufen. Zu zweit begaben wir uns auf die erste Runde. Das Wetter war perfekt, zwar kalt aber Sonnenschein und kaum Wind. Es lief gut und in der netten Gesellschaft waren zwei Runden schnell geschafft. Nach einer kurzen Trinkpause am tollen Verpflegungsstand gingen wir die dritte Runde auf dem Tempelhofer Feld an. Noch reichlich sechs Runden fehlten mir noch zu meinem heimlichen Ziel.
Da ich einen kurzen Zwischenstopp an der Toilette einlegen musste, lief ich allein weiter. Ich sah meinen bisherigen Laufpartner zwar noch von weitem, wollte aber nicht auf Krampf wieder zu ihm hinlaufen, da ich ja noch einiges vorhatte. Ich lief einfach mein Tempo, griff zwischendurch immer mal wieder am Verpflegungsstand zu und ich hatte immer mehr Runden auf dem Konto. Mein Ziel schien immer mehr erreichbar, mir ging es erstaunlich gut.
Auf der Hälfte der 7. Runde kamen mir drei Läufer des Vereins entgegen und da ich genug vom alleine Laufen hatte, drehte ich kurzentschlossen um und schloss mich ihnen an. Dadurch war ich in netter Gesellschaft, als ich meinen ersten Marathon finishte. Und das erstaunliche war, dass es mir noch ziemlich gut ging. Klar merkte man langsam die Beine und auch im Fuß zwickte mal was, aber trotzdem fühlte ich mich super! Schließlich hatte ich gerade zum ersten Mal die 42 km-Marke überschritten und ich war mir sicher, dass ich jetzt auch die 50 km schaffe.
Auf der letzten Runde wurden meine Mitläufer dann etwas langsamer, sodass ich mich entschied, doch allein weiter zu laufen. Ich musste jetzt einfach mein Tempo laufen und wollte die letzten Kilometer jetzt auch einfach hinter mich bringen. Nach der achten Runde lief ich noch einmal am Verpflegungsstand vorbei. Eigentlich wollte ich mir nur schnell ein Stück Schokolade nehmen für die letzten zwei Kilometer. Mist, Schokolade war schon alle. Na gut, dann muss es halt ohne gehen. Der vorletzte Kilometer bis zum Wendepunkt zog sich, aber als ich dann wirklich umkehren und den letzten Kilometer angehen konnte, wurde ich euphorisch. Wahnsinn, ich hatte es wirklich geschafft: Mein erster Marathon und gleichzeitig mein erster Ultramarathon!
Die Tage danach ging es mir erstaunlich gut, sodass ich mich entschloss, am nächsten Sonntag dann doch beim Berliner XXL-Lauftreff der LG Mauerweg mitzulaufen. Die 50 km hatten für mich jedenfalls jeden Schrecken verloren. Auch diese 51 km liefen erstaunlich gut, auch wenn es doch zwischendurch schwerer war, als noch eine Woche davor. Aber da ich nette Mitläufer hatte mit denen ich tolle Gespräche führen konnte, finishte ich auch meinen zweiten Ultra. Mit diesem Verein wird es nicht mein letzter bleiben!
(LGM-Mitglied Michael Schreiber)