Im Vorjahr hatte Mauerwegläufer Normann Salomo (alias „Django Asül“) den Entschluss gefasst, beim Transvulcania Ultramarathon auf der Kanareninsel La Palma zu starten. Aber 74 Kilometer mit 4500 Höhenmetern, die allein sollten ihm nicht genügen… Kurzentschlossen meldete er sich auch noch für den „Vertical“ an. So gab es für ihn zusätzlich ein feines „Aufwärmprogramm“ mit 6,9 Kilometern und 1200 Höhenmetern.
„Die Vorbereitungen verliefen ja ganz gut, und so flogen wir guter Dinge nach La Palma. Am Dienstagabend dort
angekommen, nur noch etwas essen und ab ins Bett. Mittwoch ging es dann nach Los Llanos zur Startnummernausgabe. Dort mussten noch ein paar Kleinigkeiten geregelt werden, aber dies verlief völlig reibungslos.
So hatte ich meine zwei Startbeutel in der Hand, war mir aber noch immer nicht sicher, ob ich den Vertical laufen soll oder nicht. Also weiter nach Tazacorte, dort, wo am Donnerstag der Vertical starten sollte. Mit Badeschlappen die Strecke etwas abgewandert und ich sagte mir, ist machbar. So stand mein Entschluss fest, ich starte. Donnerstag um 17 Uhr ging es dann los, im Minutentakt war der Start, ich war um 17:49 dran.
Eine Wahnsinns-Stimmung war dort, es waren so viele Menschen und machten richtig Party. Also los ging es, die ersten 500-600 Meter waren noch easy, aber dann wurde es seinen Namen gerecht, Vertical. Entlang der gesamten Strecke feuerten einen die Menschen an und trieben mich weiter. Was für ein Panorama sich mir bot, überwältigend. Nach 1:15 war ich im Ziel und war total happy, diesen Unsinn gemacht zu haben. Dann ging es mit dem Shuttle wieder zurück nach Tazacorte. Freitag war relaxen angesagt und frühes schlafen gehen.
Aber was für ein Quark, wer kann schon um 9:30 schlafen. So wurde es eine sehr kurze Nacht. Um 1:45 klingelte der Wecker, also schnell anziehen und runter zum Frühstück. Um 3 Uhr ging dann der Shuttle Richtung Start nach Fuencaliente zum Leuchtturm. So waren wir gegen 4:20 dort. Puh, was für eine Kälte und was für ein Wind uns dort empfingen. Sehr unangenehm. Also Schutz suchen hinter einer Mauer und versuchen, ruhig zu bleiben. Ha, dann noch mal hoch, Richtung Toilette, auf dem Rückweg zur Mauer hab ich die blöde Stufe nicht gesehen, war ja stockfinster, und plumps, lag ich.
Zum Glück ist nichts weiter passiert. Um 5:50 machten sich Nadine und ich Richtung Start und reihten uns ziemlich am Ende ein. Bettys Start war eine Stunde später. Ein wirklich irrer Anblick, diese ganzen Läufer mit Ihren Stirnlampen, Gänsehaut pur. Dann kurz vor dem Start spielten sie ACDC und zählten alle den Countdown. Dann wurde es ernst. Zunächst einmal um den Leuchtturm herum und gleich zum ersten Anstieg, welcher knapp 1700 Höhenmeter betrug und 18 Kilometer lang war. Das war aber nicht das Schlimme, sondern der knöcheltiefe Lavasand, Wahnsinn, wer hat den dort bloß hingekarrt. So ging es zwar gemütlich, aber trotzdem Kräfte zehrend hoch.
Bei Kilometer 18 dann endlich bis Kilometer 24 nach El Pilar ging es bergab, so konnte man es etwas laufen lassen. In El Pilar angekommen erwarteten uns unzählige Menschen und feierten uns. Flaschen auffüllen und weiter ging‘s. Es ging eigentlich nur berghoch, pausenlos. Was das Schlimmste war, war die unerträgliche Hitze, wir wurden regelrecht gegrillt. So ging es dann nach El Paso und dann hinauf auf den Roque de Los Muchachos, dieser Anstieg nahm gefühlt kein Ende, man dachte, endlich oben, aber nein, es ging nach jeder Biegung weiter hoch. Am Ende der Kräfte und kurz vorm Kollaps, denn die Verpflegungsstellen lagen sehr weit auseinander, weiter als geplant, kam man endlich an einem VP an. Dort ließ ich mir Zeit und trank viel Wasser und Cola und aß einen Teller Pasta.
Nach ca. 20 Minuten machte ich mich dann bereit für den Abstieg, was für mich aber nichts Gutes verhieß, denn meine Füße waren bereits arg in Mitleidenschaft gezogen durch den Lavasand und den vielen Steinen im Schuh. Eine Blase reihte sich an die andere. Aber was soll’s, ich muss ja runter, irgendwie. So machte ich mich auf den Weg.
Dieser Downhill war echt der Wahnsinn, hart ohne Ende. Dann kam ein kleines Dörfchen , wo die Familien draußen saßen und uns feierten, man bot uns Wasser und Wein an, da dachte ich mir, was soll schon auf den letzten Kilometern passieren, ca. 13 waren es noch, und nahm dankend ein Glas kühlen Vino Tinto an, was für ein Genuss. Dann weiter im letzten Downhill Richtung Tazacorte. Dort noch einmal Cola und Wasser getrunken bevor es auf die letzten 5 Kilometer ging. Da dachte ich mir, das Finisher Shirt ist meines, YES.
Ich sammelte alle Kräfte zusammen und machte mich auf den Weg. Naja, was dann folgte…..wir mussten durch ein ausgetrocknetes Flussbett, wieder Sand und Geröll, wer hat sich das nur einfallen lassen und fluchte mal wieder laut vor mich hin. So kann man sich ja auch motivieren, lach. Dann sah ich den letzten Anstieg und dachte, och nö, nicht schon wieder. Also Stöcke raus und die letzten 300 Höhenmeter hoch, durch Bananenplantagen bis zur Straße. Naja, dort war ich in meinen Element und sprintete die letzten 2 Kilometer bis ins lang ersehnte Ziel. Diese 2 Kilometer waren der absolute Oberhammer, hier wurde bereits jeder wie ein Sieger gefeiert und abgeklatscht. Mir liefen die Tränen und ich hatte Gänsehaut.
Dann endlich, nach über 14 Stunden das Ziel, überglücklich mit Tränen in den Augen, nahm ich meine Medaille entgegen. Betty erwartete mich bereits und war genauso glücklich wie ich. So, dann erst einmal die Schuhe aus, oje, meine Füße, nicht nur dreckig sondern viele schlimme Blasen, aber die konnte man sich vor Ort gleich versorgen lassen.
Mein Fazit zu diesem Rennen: Es war brutal hart, härter als gedacht und härter als alles andere, was ich bisher gemacht habe. Von 1895 Startern haben nur ca. 1400 das Ziel gesehen, einige sind an den harten Cut-off-Zeiten gescheitert oder der Hitze zum Opfer gefallen. Jetzt heißt es, erst einmal die Füße verheilen lassen, bevor es zum nächsten geht. Ob ich La Palma noch einmal laufen würde, kann ich heute noch nicht sagen, das fragt mich mal in ein paar Wochen. Landschaftlich ist diese Insel ein absoluter Traum, aber der Lauf? Jetzt weiß ich, wieso er TRANSVULCANIA heißt.“
(Texte und Fotos: Normann Salomo)