
Mauerwegläufer Bill Nickl war am 18. Juli 2014 bei einem spektakulären Ultramarathon in der Schweizer Bergwelt dabei, beim Eiger Ultra Trail. Die Veranstaltung ist noch recht jung, dennoch gingen bei der Dritten Auflage rund 500 Läuferinnen und Läufer an den Start. Bill schildert für uns seine Eindrücke vom langen Lauf im schweizer Bergpanorama.
von Bill Nickl
Den Eiger kennt man ja hauptsächlich durch die vielen abenteuerlichen Geschichten, die sich um die berühmte Nordwand ranken. Was in vergangenen Zeiten ein oft mehrtägiges Abenteuer war, wird heutzutage von sogenannten Speedclimbern in Zeiten unter drei Stunden gemacht!
Seit letztem Jahr gibt es am Eiger mit Startort in Grindelwald auch einen langen Berglauf. Die Königsstrecke geht über 101 Kilometer, und es sind im Anstieg – und dann natürlich auch wieder im Abstieg – etwa 6.600 Höhenmeter zu bewältigen. Daneben gibt es noch eine kürzere Variante mit 51 Kilometern.
Am vergangenen Freitag stand ich mit rund 500 Startern und Starterinnen um vier Uhr früh an der Startlinie und lauschte einem Rocksong, der extra für dieses Event komponiert wurde. Dann ging es mit Stirnlampe hinaus in den noch dunklen Morgen und auf eine lange abenteuerliche Reise durch die Schweizer Bergwelt.
Das Wetter war Gott sei Dank nicht mehr so heiß wie die Tage zuvor und die angekündigten Gewitter blieben zum Glück aus. Anders als 2013, als die Laufstrecke wegen Unwetter verkürzt werden musste.
Der Lauf ist eine einzige Panoramour im ständigen Auf und Ab. Lange Zeit läuft man im Angesicht der Eiger Nordwand und geniesst fantastische Eindrücke. Allein der Sonnenaufgang am Eiger während man sich die Gipfel der anderen Talseite erläuft ist ein ganz besonderes Erlebnis, das man nicht mehr vergisst.
Wir wurden auf der Strecke gut versorgt und von der Bergrettung und vielen freiwilligen Helfern bestens betreut. An allen gefährlichen Stellen waren Streckenposten eingesetzt und unterstützten unsichere Läufer.
Am Sonntag Morgen kurz vor sieben erreichte ich nach 26 Stunden und 23 Minuten das Ziel in Grindelwald. Maximal durfte man 28 Stunden brauchen. Der Sieger kam aus der Schweiz und bewältigte die Strecke in unglaublichen 11 Stunden und 56 Minuten. Rund 30 Prozent der Läufer und Läuferinnen mussten das Rennen vorzeitig abbrechen.