Itta Olaj und Alexander von Uleniecki waren für die LGM am vorletzten März-Wochenende am Balaton in Ungarn. Vier Tage Laufen pur, insgesamt 194,2 Kilometer. Doch die Balaton-Umrundung ist mehr als nur ein Lauf. Alex hat seine Eindrücke zusammengefasst.

nach Tag 1

„Für mich war es die inzwischen vierte Balaton-Umrundung. Andreas Deák, halb Berliner und halb Ungar, hatte mich 2012 zum Plattensee gelockt, wofür ich ihm im Nachhinein sehr dankbar bin. Und mit ihm feierte ich damals auch die Balaton-Premiere. Etappenläufe kannte ich schon vorher vom Isar- und vom Baltic-Run, wobei sich der „Szupermaraton“ dahingehend unterscheidet, dass die einzelnen Etappen nicht ganz so lang sind. Ideal für Einsteiger wie ich finde, denn der längste Tagesabschnitt misst gerade mal 52 Kilometer.

startnummerGestartet wird in Siofok, hier ist am vierten Tag auch das Ziel. Die Organisation ist nahezu perfekt, das Team wirkt eingespielt und ist u.a. ja auch für den Budapest-Marathon verantwortlich. Diese Erfahrung ist jederzeit spürbar. Als Teilnehmer habe ich mich immer gut aufgehoben und betreut gefühlt. Auch die Kosten halten sich in Grenzen: Die Startgebühr für alle vier Tage liegt bei rund 140 Euro (im Falle einer Krankheit o.ä. kann der Startplatz auf das nächste Jahr übertragen werden), das optionale Übernachtungs-Paket kostet inkl. Halbpension (reichhaltiges Buffet) in Mittelklassehotels 130 Euro, die Bus-Transfers zum Start bzw. Ziel der jeweiligen Etappe insgesamt 30 Euro. Wem das zu viel sein sollte, kann natürlich alles auch auf eigene Faust organisieren. Allerdings sind für mich die gemeinsamen Abendessen immer wieder das soziale Salz in der Etappenlauf-Suppe, genauso wie das Frühstück mit Gleichgesinnten. Neue Kontakte knüpfen, Geschichten austauschen, Mitläufern beim Humpeln zugucken und selbst bemitleidet werden – so was erlebt man wohl nur hier! Außerdem gibt´s im offiziellen Hotel auch den kostenlosen Massage-Service, den ich jedem nur empfehlen kann. Kurz, aber effektiv!

Zurück zum Thema „Einsteiger“: Die Strecke, die im Uhrzeiger-Sinn um den Balaton führt, hält sich mit spektakulären Schwierigkeitsgraden zurück, jedoch sollten die Wellen und Hügel (vor allem auf der 3. Etappe) nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Gelaufen wird meist auf asphaltierten Radwegen, aber auch auf Straßen. Häufig geht es direkt am See entlang, immer wieder werden kleinere Dörfer durchquert. vor Tag 3Ich fand den Kurs immer abwechslungsreich, auch nach der vierten Teilnahme. Besonders auf der Schluss-Etappe, die mit einem sagenhaften Ausblick über den Balaton besticht, wird der Kopf verwöhnt. Beim Wetter ist Flexibilität angesagt: Es gab schon Jahre mit Schnee und klirrender Kälte (2013), ebenso Läufe mit frühsommerlichen Temperaturen (2012). Wir, also Itta und ich, erwischten diesmal fast ideales Laufwetter, also Werte zwischen 11 und 20 Grad, dazu nur leichter Wind und überwiegend Sonnenschein.

Und wie lief es bei uns? Den ersten Tag (48 km) wollten wir eigentlich verhalten angehen, aber dann machten doch Euphorie und Lauflust alles viel schneller – am Ende stand ein 6:30er-Brutto-Schnitt (inkl. Verpflegungs- und Pinkelpausen) auf der Uhr. Apropos Verpflegung: Diese ist einfach nur gut und völlig ausreichend, vor allem die Abstände der VPs von ca. 6 bis 8 Kilometern passen. Ein Trinkrucksack empfiehlt sich nur bei höheren Temperaturen.

Die zweite Etappe ist die „Königsetappe“, weil die längste mit rund 52 Kilometern. Das Ziel ist recht imposant, denn die letzten etwa 100 Meter folgen einer steilen Rampe. Wer hier noch Luft hat, läuft das Stück, um den Applaus der Zuschauer in vollen Zügen genießen zu können. Unvergessen ist die Balaton-Umrundung vor drei Jahren, als LGM-Trainer Andreas Deák kurz vor dem Anstieg eine Flasche Palinka (ungarischer Schnaps) ansetzte und nach einem kräftigen Schluck – obwohl schon fix und fertig – zum Ziel geradezu hinaufflog.

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Christian Brandstätter aus Österreich (rechts) gemeinsam mit Alexander von Uleniecki.

Den sozialen Faktor bei Etappenläufen sprach ich bereits an und er spielt auch auf der Strecke eine Rolle. Selten läuft man ganz allein, es kommt immer mal wieder zu interessanten Gesprächen. Oder es bilden sich Laufgruppen, wie in unserem Fall mit Christian Brandstätter. Wir lernten den sympathischen Österreicher (und gebürtigen Tiroler) kurz nach dem Start der zweiten Etappe kennen. Eigentlich kann er einen Marathon unter 3 Stunden laufen, aber hier am Balaton entdeckte er die Faszination des langsamen Laufens – und das über vier volle Tage! Bin mir sicher, dass dies nicht sein letzter Etappenlauf war, er hat Blut geleckt…;-) Fast bis ins Ziel der letzten Etappen blieben wir eine kleine, schöne Schicksals-Lauf-Gemeinschaft. Danke, Christian!

Obacht am dritten Tag! Denn wer sich hier verzockt und angesichts der relativ kurzen Distanz (43 km) ein zu hohes Tempo anschlägt, wird am Schlusstag unter Umständen bestraft. Also lieber defensiver laufen, was sich angesichts des leicht welligen Streckenprofils auch anbietet. Und für mich immer ein festes Ritual im Ziel in Balatonfüred: Das Fußbad im eiskalten Balaton! Unbedingt ausprobieren!

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Traumhafte Ausblicke, natürlich auch auf den Balaton… Itta Olaj von der LGM.

Vor dem Schlussabschnitt von Balatonfüred nach Siofok war für Itta eine Frage zentral: Hält die Achillessehne? Schon die Tage vorher war sie gereizt, beruhigte sich aber wieder. Und auch auf den letzten gut 49 Kilometern sollte die Sehne mitspielen. Lockere Beine sehen zwar anders aus, aber dennoch blieb im Überschwang der Gefühle noch Kraft und Lust für einen kleinen Endspurt kurz vor der Ziellinie. Es war geschafft!

Geschafft!
Geschafft – Alexander von Uleniecki und Itta Olaj am Ziel der Balaton-Umrundung

Auch wenn einem während des Laufs manchmal Gedanken durch den Kopf spukten, es könnte doch die letzte Balaton-Umrundung gewesen sein, so war im Ziel mit etwas Abstand klar: Wir kommen wieder! Für mich Pflicht, denn eine fünfte Teilnahme ist schöner, als wenn da „nur“ die Vier steht. Und wenn wir das Feedback u.a. bei Facebook richtig interpretiert haben, könnte im kommenden Jahr eine größere LGM-Gruppe mit nach Ungarn reisen. Schön wäre es allemal!“

Wer Interesse an einer gemeinsamen Reise haben sollte, schreibt Alex eine e-Mail: vonuleniecki@me.com

Ach so: Für ganz Ultralauf-Verrückte soll es im Juni auch eine Nonstop-Umrundung des Sees geben… 😉