mark fietkauMark Fietkau aus Frankfurt am Main ist seit Juli 2014 Mauerwegläufer. Und weil es im Januar mit einem Treffen in Rodgau krankheitsbedingt leider nicht geklappt hatte, kennt er bisher noch immer kein anderes Vereinsmitglied persönlich. Das wird sich bestimmt spätestens im August ändern, wenn Mark zum Mauerweglauf kommt! Inzwischen stellt er sich schon einmal mit einem Bericht vom „Thames Path 100“ am vergangenen Wochenende vor. 

 

„Auch mein dritter Lauf ,150km+‘ führte mich wieder nach Großbritannien. Nach dem ‚West Highlandway‘ Race 2004, dem ‚South Downs Way 100‘ 2014 diesmal nun der Thames Path (TP) 100 über 100 Meilen (161km). Letztes Jahr in der Vorbereitung für den South Downs Way ist dann auch der Kontakt zur LG Mauerweg entstanden, als ich in der Facebook-Gruppe der DUV angefragt hatte, ob jemand schon einmal den South Downs Way gelaufen ist. Ronald meldete sich und sandte mir seinen Report und stand fortan für Fragen zur Verfügung. Das habe ich dann auch gerne genutzt und so entstand eine rege Kommunikation. Einige Wochen nach dem Lauf kam ich dann auf die Idee, mal zu fragen, ob ich auch als Frankfurter (wohlgemerkt Frankfurt a. M.) auch LGM-Mitglied werden könnte, weil sich in meinem Verein, in dem ich bis dato war, keiner so richtig für Ultralaufen interessierte und ich mich gerne einem Verein anschließen wollte, wo auch andere Ultraläufer Mitglied sind. Ich hatte mich dann sehr über die positive Antwort gefreut und bin nun seit Juli 2014 Mauerwegläufer.

Dies war eine sehr gute Entscheidung – obwohl ich bisher noch keinen (!) von Euch persönlich getroffen habe, kam schon eine Reihe von netten Kontakten zustande und ich freue mich täglich über den regen Austausch über Facebook.

Das Training im Vorfeld des ‚TP100‘ war nicht optimal verlaufen. Statt der geplanten zwei 50 km und einem Halbmarathon konnte ich gesundheits- und verletzungsbedingt gerade mal einen 50km Lauf absolvieren, Ende März in Eschollbrücken. Der lief zwar recht gut, leider hatte ich mich dann aber 10 Tage nach Ostern im Urlaub auf den Balearen leicht erkältet und hatte rückflugbedingt seither Probleme mit den Ohren. Also nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, zumindest mal nicht psychologisch. Da aber eine so lange Distanz eh hauptsächlich im Kopf entschieden wird, habe ich versucht, mich nicht zu sehr verrückt zu machen, zumindest mal so gut es ging. Geholfen haben letzten Endes auch noch ein paar Besuche bei der Physiotherapeutin.

So ging es also los am Freitag, dem 1. Mai – zunächst mal verschärfte Bedingungen bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen, durch den geplanten Terroranschlag und die Verhaftungen am Vortag. Mit dabei war wieder mein bewährter Support Gerd, der mich auch bei den anderen beiden ganz langen Läufen begleitet hatte. Gemeinsam konnten wir nun schon einiges optimieren und zum Glück haben wir beide Spaß.

In London angekommen, wurden der Mietwagen geholt und das Zimmer unweit des Flughafens bezogen, letzte Besorgungen gemacht sowie ein paar kleine Beruhigungsbiere getrunken.

Am nächsten Morgen kamen wir frühzeitig zum Start, damit ich noch die Mauerlauf-Flyer, die ich über Itta und Alex im Vorfeld geschickt bekam, auslegen konnte. Dann haben sich schon die ersten Gespräche ergeben – einige erinnerten sich noch an die Gruppe mit den ‚schnellen Germans‘ aus dem letzten Jahr. Am Eingang stand bereits ein Schild: ‚Weather Forecast: Wet!!!!‘

Dann ging es los, erst mal trocken, und ab und zu kam sogar die Sonne raus – die ersten 30 km in drei Stunden wie geplant, Beine waren etwas schwer aber es ging, danach fiel ich dann erst mal in ein mentales Loch, es wurde schwerer, außerdem war die Markierung nicht überall eindeutig, und die ersten Extrameter waren zurückzulegen. Bis km 45 auf Höhe Schloss Windsor schleppte ich mich so dahin, dann stand Gerd mit der ersten Portion Peronin. Allmählich wurde es dann besser und ich kam endlich in einen schönen Modus. Einige Kilometer später traf ich dann auf eine Läuferin – Mel, mit der ich dann gemeinsam fast 100 km gelaufen bin. Eine wirklich glückliche Fügung, wie sich herausstellen sollte.

TP 2
Schnappschuss: An der Themse treffen sich nicht nur Ultraläufer, sondern auch Beagles jährlich

 

Wir liefen nun kilometerweit auf getrocknetem Schlamm – glücklicherweise hielt das Wetter hier immer noch, sonst wäre es hier schon sehr schwierig zu laufen gewesen – so war es ok. So langsam näherten wir uns der Hälfte und es begann zu dämmern. Kurz vor km 80 fing es dann leicht an zu tröpfeln – kurz danach war Checkpoint in Henley mit warmen Essen und es war mittlerweile dunkel. Ich bekam aber nichts runter und zog mich erst mal für die Nacht um und nahm dann noch eine Portion Peronin ein. Dann ging es weiter – das ‚Waterproof‘ hatte ich schon mal an und es kam dann gleich der erste kräftige Schauer. Die nächste Sektion war etwas nervig – Mel bat mich vorwegzulaufen aber sie hatte eine starke Lampe und so warf ich einen Schatten nach vorne, sodass ich fast nichts mehr sehen konnte. Außerdem sind wir in einem Modus 10 Min. Laufen, 5 Min. Gehen gewesen, leider war unser Gehen langsam, so dass wir immer wieder überholt wurden und dann gleich wieder überholt haben. So ging das dann bis zum nächsten Checkpoint. Zwischenzeitlich regnete es dann so stark, dass ich sogar die Regenhose anziehen musste.

TP 1
Einlauf zum Checkpoint in Henley

 

Nach dem Checkpoint ging es durch Reading, auf einer eingerichteten Umleitung, so kamen wir nochmal auf einen Extra-Kilometer, dafür hörte der Regen auf. Diesen Abend war hier Bierfest und wir mussten durch einige angetrunkene Gruppen. Aber das ging dann auch vorbei und es ging wieder in die Nacht. Irgendwann begannen Steigungen, zunächst im Ort zum nächsten Checkpoint, dann aber weiter ansteigend. Von der Themse weit und breit nichts mehr zu sehen. Und dann ging es in den Wald auf recht steilen Trails auf und ab für 1 bis 2 Meilen. Da ich kein Downhill-Läufer bin, wurde das schnell zur Qual. Und zu meiner Bestürzung lag dann auch noch ein Läufer, eingehüllt in eine Goldfolie, regungslos am Wegesrand, an der unzugänglichsten Stelle von der gesamten Strecke. Glücklicherweise war jemand bei ihm, und Sanitäter waren bereits verständigt. Der bei ihm wartende Läufer bat uns dann weiterzulaufen (‚don’t ruin your run as well‘), aber ein flaues Gefühl blieb.

Irgendwann waren wir durch die Waldsektion durch und waren beim Checkpoint bei Meile 71 angelangt. Mittlerweile hat wieder Regen eingesetzt, diesmal deutlich stärker. Es war ca. 4 Uhr nachts und es sollte jetzt bis ca. 10 Uhr morgens durchregnen. Wir hatten auf der letzten Sektion über 7 Meilen einiges an Zeit liegengelassen, ca. 30 Minuten verloren und weitere wieder am Checkpoint, weil ich nochmals die Socken wechseln musste. Nun ging es aber wieder deutlich schneller. Gegen 5  Uhr begann es zu dämmern, nun konnte man auch wieder deutlich sehen. Mel hatte ausgerechnet, dass wir gegen 5:50 Uhr am nächsten Checkpoint bei Meile 77.5 ankommen mussten, um auf eine Endzeit von 26:20 Stunden zu kommen. Das war mir eigentlich ziemlich egal, aber ich trottete mal hinterher. Wir waren dann tatsächlich vor 6 Uhr dort und mir wurde klar, dass nun eigentlich nichts mehr schief gehen konnte mit einem Finish. Von hier waren es noch ca. 36 km zu laufen, also ein gemütlicher Longjog. Leider war es nun weiterhin sehr nass und unser Tempo war leider weit entfernt von einem Longjog 😉

TP 3
Seitenarm der Themse

 

Mittlerweile war der Untergrund auch aufgeweicht, und statt der trockenen Pfade wurde es immer schlammiger an der Themse. Zudem waren die Wege insgesamt schwieriger zu laufen als im ersten Teil der Strecke. Der Regen ließ langsam nach und hörte gegen 10 Uhr ganz auf. Mittlerweile waren wir am letzten Checkpoint angelangt. Hier wartete eine Freundin von Mel, um sie zu pacen. Schnell hingen beide zurück. Einmal habe ich dann noch gewartet, dann wurde mir das zu langsam, der Weg war nun ohnehin eine reine Qual, weil man mehr rutschte als lief. Also langsam weitergejoggt und nicht mehr gegangen. Irgendwann kam dann auch die Sonne raus und es wurde warm. Verlaufen konnte man sich nun nicht mehr, es ging nur noch direkt am Ufer lang und ich konnte die Kilometer langsam runterzählen. Ich hatte insgesamt 3 GPS Uhren im Einsatz, von denen jeweils eine im Auto wieder aufgeladen wurde, damit hatte ich immer eine funktionierende Uhr sicher.

Es wurde nun auch belebt auf dem Weg  und viele Spaziergänger applaudierten oder feuerten an mit ‚Well done‘ oder ‚Not far anymore‘ – und irgendwann tauchte dann das Zielgelände auf der linken Seite auf. Schnell noch drei Läufer überholt und ins Ziel gelaufen. Dort habe ich dann James Ellson getroffen, den Organisator des Laufes, und konnte die von Ronald aufgetragenen Grüße ausrichten. Er hat sich sehr gefreut, kannte mich sogar noch mit Namen (!) vom letzten Jahr beim South Downs Way.

TP 4
An der Finish Line mit James Ellson

 

Fazit: Ein toller Lauf – allerdings mit einigen Schwierigkeiten gespickt – vor allem bei Regenwetter. Landschaftlich gibt natürlich die Themse nicht ganz so viel her wie die South Downs oder der West Highland Way, aber es war immer noch schön und man ist ja an einigen historischen Orten vorbeigekommen.

Wichtig sind eine gute Planung, Verpflegung sowie die entsprechende Kleidung und Schuhwerk  – wir haben schon vor der Hälfte Läufer humpeln gesehen (später wurden es immer mehr), offensichtlich wegen Blasen – das erschwert die Sache dann natürlich.

Weiterhin von Vorteil, wenn man bis zum Schluss Laufen kann – für mich essenziell wichtig, da ich nur langsam gehen kann – ich hätte sonst wirklich Probleme in der Cut Off Zeit zu bleiben. Für mich besonders erfreulich: Letztes Jahr noch unter den letzten 10 platziert, waren diesmal ca. 50 Läufer noch hinter mir – nicht wirklich wichtig, aber doch irgendwie ein schönes Gefühl.

Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei den vielen Mauerwegläufern für die moralische Unterstützung vor und während des Laufes sowie für die Anerkennung danach über Facebook. Das hat mir wirklich viel Auftrieb gegeben und mich sehr gefreut.

Nun ist erst einmal Erholung angesagt, und dann freue ich mich auf den Berliner Mauerweglauf im August!“

(Text und Fotos: Mark Fietkau)