So richtig glauben konnte er es nicht, Stefan Kliemann, im Ziel des Röntgenlaufs in Remscheid. Für seinen allerersten 100-Kilometer-Lauf hatte er sich ausgerechnet den nicht ganz einfachen Kurs im Bergischen Land ausgesucht. Die klassische Distanz bei diesem Lauf sind eigentlich die 63 Kilometer. Schwer genug, denn es geht permanent rauf und runter. Keine steilen Anstiege, aber eben nicht unbedingt Passagen, die man gehen muss oder möchte. Deshalb ist man fast ständig in Bewegung, was die Muskulatur spätestens am Tag danach schmerzhaft signalisiert. Kurze Pausen gibt es an den Verpflegungsständen, die immerhin alle 5 Kilometer auf die Röntgenläufer warten. Ach ja, historisch geht es auch zu – gleich zu Beginn läuft man am Geburtshaus und Museum zu Ehren von Wilhelm Conrad Röntgen vorbei, der für uns Sportler ein nicht unwichtiges Diagnosehilfsmittel erfunden hat, zumindest im Falle einer Verletzung.
Stefan, der schon am frühen Morgen gestartet war (wir „63er“ mussten erst um 8.30 Uhr loslegen), machte an der Marathon-Marke einen erfreulich lockeren und gelösten Eindruck. Bedenken, dass er es nicht schaffen würde, hatte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. Und das sollte sich auch im weiteren Verlauf bestätigen. Selbst bei km 95, also kurz vor dem Ziel, zeigte sich Stefan gut gelaunt, fast schon routiniert. Oder anders gefragt: War das wirklich Dein erster 100er?? Und selbst wenn es irgendwo gezwickt haben sollte, so ließ er sich das zumindest nicht anmerken. Hut ab! Am Ende standen gute 11:45 Stunden auf der Uhr, dazu noch Platz 2 in der Altersklasse. Bei Facebook war hinterher seine mit einem Augenzwinkern versehene Frage zu vernehmen, ob er denn nun ein „echter“ Ultraläufer sei… Ja, Stefan, herzlich willkommen im Club! 😉
Itta und ich, die wir das ganze Geschehen rund um „unseren“ Novizen Stefan beobachten konnten, genossen 63 Km, erlebten aber auch ein Wechselbad der Gefühle, wie es bei solchen Läufen wohl nicht ganz unüblich ist. Mittendrin ging´s Itta nicht so doll, auf den letzten 5 Kilometern war bei mir irgendwie die Luft raus. Aber egal: Mit einer Zeit von etwas mehr als 7 Stunden waren wir zufrieden, das selbst gesteckte Ziel wurde erreicht. Eventuell im nächsten Jahr mal unter 7? Man darf sich ja ruhig neue Ziele setzen…
Natürlich waren wir mit Stefan nicht die einzigen Mauerwegläufer beim diesjährigen Röntgenlauf. Auf der 100-km-Strecke erreichten Henning Schmitz (12:41) und Andreas Baur (14:31) erfolgreich das Ziel im Remscheider Ortszeil Lennep, auf der kurzen Strecke Hermann Heyer (8:46).
