Der Wecker piept, reißt mich um sechs Uhr aus dem Schlaf. Fünf Minuten später ermahnt mich das Telefon, das ich am Vorabend ebenfalls gestellt hatte, nun doch endlich aus den Federn zu steigen. Es ist Sonntag, 23. Februar 2014. Lauftreffsonntag der LG Mauerweg. Der Wetterbericht der RBB Abendschau am Abend vorher klang vielversprechend. Gegen halb acht, kommen Marion und Maik aus Königs Wusterhausen und holen mich ab. Ich hatte ihnen versprochen, mich um das heiße Wasser in den Thermobehältern zu kümmern. Marion hat diesmal die Verpflegung und den Gepäcktransport für den Berliner XXL-Laufteff übernommen, Maik läuft mit. Unterwegs sammeln wir noch Harald und Nina in Zehlendorf ein, die noch weitere Verpflegung dazu steuern.

Für mich ist es der erste richtig lange Kanten in diesem noch jungen Jahr. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die 51 Kilometer tatsächlich schaffen werde. „Im Notfall steige ich aus und helfe Marion“, geht es mir durch den Kopf, während die Sonne die kalte Morgenluft langsam erwärmt. Nach und nach treffen viele bekannte Gesichter am Start ein, dem S-Bahnhof Mexikoplatz.
Es herrscht eine ausgelassene Stimmung unter den 14 Laufbegeisterten. Schnell noch einen Kaffee von der Bahnhofsbäckerei, der den letzten Rest von leichter Müdigkeit vertreibt. Und schon setzt sich die Gruppe in Bewegung. Im gemütlichen 6:45er-Tempo geht es bald auf den Königsweg, der uns schnurgerade fast bis zum S-Bahnhof Griebnitzsee führt, wo uns Marion zum ersten Verpflegungspunkt erwartet. Freudiges Wiedersehen mit Mathias, der sich uns dort anschließt.
Unterwegs laufe ich lange Zeit mit Anja zusammen, die erst seit kurzem Mitglied der LG Mauerweg ist. Sie läuft wie ein Uhrwerk, ganz gleichmäßig und locker. Anja erzählt, dass sie für den Rennsteig Supermarathon trainiert. Sie macht sich Sorgen wegen der vielen Höhenmeter und steilen Anstiege im Thüringer Wald. „Die steilsten Anstiege solltest du nicht im Laufschritt nehmen, sondern nur so lange im Laufschritt bleiben, bis du gehend schneller unterwegs bist oder es einfach zu viel Kraft kostet“, versuche ich ihre Bedenken zu zerstreuen. Ich gebe ihr weitere Tipps und bin mir sicher, dass Anja den Rennsteig meistern wird. Denn sie spulte vergangene Woche beim THF6 ganz locker ihre 60 Kilometer ab. Jedenfalls sah das sehr locker aus, was sie da machte.
Als wir den zweiten Verpflegungspunkt bei Neu Fahrland erreichen, hat die Sonne die Morgenfrische vertrieben. Essen, trinken, Trinkflasche auffüllen, und weiter geht es um den Lehnitzsee zur Heilandskirche und zum Schloss Sacrow, wo uns Marion am dritten VP kurz vor dem Streckenkilometer 28 erwartet. Der Mauerweg führt über die Kladower Straße, die auch am Wochenende relativ stark befahren wird. Als Variante laufen wir deshalb entlang des Sacrower Sees. Landschaftlich ist das auch reizvoller, als entlang der Straße zu laufen.

Durch Kladow laufen wir weiter nach Groß Glienicke zum V4 bei Kilometer 37. Für mich wird es jetzt ein bisschen schwerer. Aber noch sind alle Systeme im grünen Bereich. Die schnellen Hasen, allen voran Simone und Oliver sind schon lange nicht mehr in Sichtweite. Die Gruppe zieht sich etwas auseinander. Das macht aber nichts, denn niemand bleibt allein. Ich werde langsamer, falle zurück, als wir Wilhelmstadt erreichen und schon längst die Marathon-Marke hinter uns gelassen haben. An der Heerstraße bläst mir der frische Südwestwind ins Gesicht. Das ist ziemlich unangenehm, aber zum Glück liegt der VP5 geschützt hinter Bäumen. Nina und Harald sind bereits am Verpflegungspunkt. Wir lassen uns Zeit und sind von nun an die Besenläufer bei diesem Lauftreff. Das stört uns nicht sonderlich, da es bis zum Ziel nur noch schlappe fünf Kilometer sind. Die Strecke führt uns auf dem Alten Postweg vorbei am Teufelsberg und der Kiesgrube. Da ist unheimlich viel los, Spaziergänger, Familien und Mountain-Bike-Fahrer genießen die frühlingshaften Temperaturen. Kinder tollen im Sand an der Kiesgrube. Harald empfiehlt, hier Bergläufe zu machen. Die Vorstellung schreckt mich angesichts meiner nun schweren Beine.
Es hilft aber nichts, wir traben dennoch weiter, können auf dem letzten Kilometer das Tempo noch minimal erhöhen, zumindest gefühlt. Nach insgesamt sechs Stunden und 25 Minuten erreichen auch wir Besenläufer das Ziel am S-Bahnhof Grunewald. Heiße Brühe, Tee, Kaffee und Kuchen sind die Belohnung für die 51 Kilometer.