50 Kilometer in Rodgau, zwei Doppeldecker, dann der erste Etappenlauf am Balaton und zuletzt ein etwas „flotterer“ Trainingsmarathon: Die Rückkehr zu den längeren Distanzen lief genau nach Plan. Aber dann: Harzquerung. Und alles war anders. Mauerwegläuferin Itta Olaj über die Lehren vom vergangenen Samstag.
„Mein Laufkalender war schon ordentlich gefüllt, aber es gibt – nach einigen Jahren mehr oder weniger Pause – noch so viel nachzuholen! Eine mir noch nicht bekannte Region Deutschlands kennenlernen und das mit einem schönen Lauf verbinden? Alexander von Uleniecki hatte da einen Vorschlag, der einfach zu verlockend war. Also: Auf zur Harzquerung!
Der Samstagmorgen begann mit einem Moment der Verwunderung. Keine zwanzig Leute an der Startlinie im hübschen Städtchen Wernigerode? Wie kann das sein? Bald gab’s die Aufklärung: Alex und ich hatten die Ausschreibung nicht aufmerksam gelesen und waren somit gut 30 Minuten zu früh da. Halb so schlimm, kalt war es ja nicht, und so hatten wir zusätzliche Zeit zum Plausch mit Vereinskollegen und 100Meilen-Startern gewonnen. Nur das Streckenprofil, das hätte ich vorab besser mal studiert…
Gleich nach dem Startschuss ging es bergan, zunächst auf einem Forstweg, dann auf schmalen Pfaden – bei der Dichte des Läuferfeldes (und einigen Vierbeinern an Hundeleinen mittendrin) ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Aber bald zog sich das Feld in die Länge. Damit wäre der Zeitpunkt gekommen, den Lauf durch dieses schöne Fleckchen Deutschland einfach nur zu genießen. Eigentlich.
Doch mein Plan sollte diesmal nicht aufgehen. Deutlich war zu spüren, dass mir der Marathon von Krakau am Wochenende zuvor noch ordentlich in den Knochen steckte. Und auch, dass Wiederholungsläufe auf die Oderbruchkippe ein echtes Bergtraining nicht ersetzen können…
Um nicht hoffnungslos zu überziehen, musste ich mich weiterhin mit der zuvor im Gedränge erprobten Strategie abfinden: bergauf wandern, in der Ebene laufen, bergab Vorsicht walten lassen. Ziemliches Neuland, wenn man wie ich bisher meist als ,Asphaltwalze‘ unterwegs war 😉
Irgendwann habe ich meine Uhr ausgeschaltet – der Untergrund erforderte sowieso meine volle Aufmerksamkeit. So war da auch nicht viel Gelegenheit, die schöne Landschaft zu bewundern – außer man blieb mal stehen. Ach ja, warum eigentlich nicht…?
Beim VP bei Kilometer 20 wollte ich aufhören, mich mit Speis und Trank eindecken (die Schmalzbrote waren super lecker!) und gemütlich zum Start zurückwandern. Diesen Plan habe ich dann doch wieder verworfen (danke, Alex!) und mich endlich damit abgefunden, dass es zwar nicht mein Lauftag, aber eben doch ein Lauftag war. Und zwar ein extrem lehrreicher: Nie wieder werde ich glauben, ich könne einen 51-Kilometer-Landschaftslauf mit teilweise sehr anspruchsvollem Untergrund ,einfach mal so zwischendurch‘ einschieben!
Mit dieser Erkenntnis, alten und neuen Bekanntschaften, weiteren Schmalzbroten und sehr viel Cola verging die zweite Hälfte des Laufs fast schneller als die erste. Und schon hörte ich von einem der vielen großartigen Volunteers: ,Ob ihr es nun wollt oder nicht, ihr seid gleich im Ziel!‘ Das hörte sich doch gut an!

Endlich angekommen, konnte ich einigen anderen Mauerwegläufern zu ihren guten Ergebnissen gratulieren: Herausragend vor allem die Leistung von Neumitglied Helga Brokat, die die W-60 in 5:34 gewann! Schnellster Mauerwegläufer war Martin Woitynek, der das Ziel in Nordhausen bereits nach 5:19 erreichte.
Herzlichen Glückwunsch allen Finishern! Und, liebe Harzquerung, ich komme wieder – und beim nächsten Mal bin ich bestimmt weniger naiv und dafür besser vorbereitet!“
(Text: Itta Olaj, Foto: Annette Bethge)