Langstreckenlauf-Gemeinschaft Mauerweg Berlin e. V.

Ith-Hils-Ultratrail: “Da kann man auch mal gehen”

“Ein grandioses Erlebnis”, schreibt Friedel Liberti in seinem Bericht über den Ith-Hils-Ultratrail am 27. April 2019. Seine Mit-Läufer von der LGM waren Cornelia Rohwedder, Nina Blisse und Harald Reiff:

“Nina, Harald und Ninas Eltern übernachteten im traumhaften Wegensen. Am Anreisetag war das Wetter grauenhaft. Unsere kleine LG-Mauerweg Laufgruppe wuchs dann sehr bald. Meine liebsten Freunde Rainer und Irene reisten aus Franken an. Frank, Andreas und Marco von den Trailrunners Weserbergland kamen aus der hiesigen Umgebung. Unsere kleine Küche war randvoll und der letzte Stuhl belegt.

Samstagmorgen 5:30 Uhr:

Traumhaftes Wetter,  knisternde Stimmung und um 6:00 Uhr geht’s endlich los.

Die ersten Kilometer bis zum Ith dienen dem Einlaufen. Angenehme 8 Grad und der Mond schien auch so helle. Läufer, was willst du mehr…

Der Anstieg zum Ithkammweg, über “Adam und Eva”, schon etwas steil  – “da kann man schon mal gehen” – war bald geschafft und es folgte ein traumhaft weicher Trail zum Getränkepunkt bei KM 14.

Bis zum Ith-Übergang Dohnsen-Ockensen  (KM 20) verlief die Strecke parallel zum Kammweg, auf leicht laufbaren Wirtschaftswegen. Von den Dohnser Klippen kann ich in weiter Ferne mein Elternhaus in Wegensen sehen. Was für ein Glücksgefühl.

Jetzt ging es bis KM 29 als absolutes Highlight oben auf dem Klippenweg entlang. Getragen vom Duft der Bärlauchwiesen führte der Weg, der eigentlich keiner ist, über große Steine, umgestürzte Bäume und durch weiche Laubfelder. Läufer, was willst du mehr.

Mal anstrengend, dann wieder leichtfüßig über weichen Waldboden, schon fast erotisch, dann wieder kraftzehrend aufwärts bis zu den Ithwiesen bei KM 29.

Ein kurzer Aufenthalt am VP1, geschwind abwärts bis zum Parkplatz Holzen, und mit einer Träne im Auge, hatten wir den Ith hinter uns gelassen. Nun folgte ein 4 km langer Anstieg über zumeist breite Wirtschaftswege Hils-aufwärts bis zum höchsten Punkt, dem Wilhelm-Raabe Turm. Nach 300 m bergab dann die nächste Getränkestation in Grünenplan.

Weiter von Grünenplan über Kaierde bis Delligsen. So langsam meldeten sich auch die Beine. Zwei heftige Anstiege wurden jedoch von herrlichen Aussichten über weite Täler versüßt. Das Wetter war immer noch traumhaft. Genau die richtige Lauftemperatur und immer noch trocken.

Wir, Andreas-Marco-Frank-Uwe, erreichten VP2 bei KM 53 gegen 13:40 Uhr. Eine halbe Stunde zu früh. Wir waren aber nicht alleine. Da an allen VPs die Läufer erfasst wurden, hieß es für uns Warten, bis das Futter-Auto der Veranstalter eintraf. Die halbe Stunde Warten verlief im Beisein unserer Liebsten, die zum VP gekommen waren, wie im Fluge.

Gestärkt und ordentlich ausgeruht folgte nun ein doch sehr anstrengender Abschnitt. Es fing an zu regnen und wir quälten uns den Steinberg hoch. Dann noch mal ein traumhafter Abstieg über weiche Waldböden zur Lippolshöhle. Der Untergrund war inzwischen sehr rutschig geworden und der Regen nahm noch zu.

Der steile Anstieg auf den Duinger Berg (KM 60) – gar nicht mal so viele Höhenmeter aber dennoch sehr kräftezehrend – machte mir sehr zu schaffen. Nach einem längeren Downhill über breite geschotterte Wirtschaftswege erreichten wir bei heftigem Regen und Wind gegen 16:00 Uhr den letzten VP in Marienhagen. Wir hatten jetzt “nur” noch etwa 10 Kilometer zu absolvieren.

Bis dahin empfand ich den Lauf als Geschenk, nun kam die Quälerei.

Meine Laufgruppe bestand inzwischen nur noch aus Frank und mir. Nach 4 km (240 m Steigung) über langweilige breite Waldwege kamen wir am Lönsturm an. Der leichte Regen hatte sich inzwischen zum kräftigen verwandelt.

Der nun folgende 300 m lange Abstieg über den Kantstein wurde zur abwärts gerichteten Kletterpartie. Der teilweise sehr schmale und stark zu Seite geneigte Trampelpfad erforderte höchste Konzentration und auch Glück, um nicht im Matsch zu landen. Seltener traute ich mich meine Blicke ins wolkenverhangene weite Tal schweifen zu lassen.

Eine kleine Holzbrücke und wir beide waren im Ziel: ausgepowert, glücklich und vollkommen durchnässt. Die Zeit ist uninteressant. Hier ist eindeutig der Weg das Ziel und jeder, der ankommt, hat höchsten Respekt verdient.

Andreas und Frank genossen anschließend das angenehm warme Wasser der Ith-Hils Therme.

Nach dem verdienten Nudelbüffet machten wir uns gegen 21:00 Uhr auf den Heimweg nach Wegensen.”

Hier endet der Text von Friedel, da Frauen aber ja bekanntlich immer das letzte Wort haben, hier noch folgender weiblicher Dialog zum Text oben:

Nina: “Ich möchte noch ergänzen, dass auch Conny und ich das Ziel erreicht haben – zwar als Dreckspatzen, aber als glückliche Dreckspatzen.”
Dorit (Friedels Frau): “Friedel hat auch gar nicht Harald´s „Ich habe Rücken“ erwähnt!”


Die LGM-Redaktion möchte zur männlichen Ehrenrettung noch lobend erwähnt wissen, dass Connys Mann Karl an den Verpflegungsposten zur mentalen Unterstützung, aber auch zur allgemeinen Erheiterung beitrug – durch sehr kurzweilige Geschichten aus dem Leben allgemein und aus dem Läuferleben im Besonderen.

Es ist davon auszugehen, dass die Mauerwegler eine Bleibe im Weserbergland gefunden haben. Von hier heißt es “Ihr seid immer willkommen!”

Text: Friedel Liberti
Fotos: Friedel Liberti, Dorit Fischer-Liberti und Detlef Erasmus


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