Langstreckenlauf-Gemeinschaft Mauerweg Berlin e. V.

Ein Stück Unendlichkeit

Am 1. Mai startete um 19 Uhr der Infinity Loops Run. Was ist das? Zu jeder vollen Stunde startet man zu einer 6 km langen Runde. Schafft man es nicht, diese Runde in einer Stunde zu absolvieren, ist man raus. Startet man früher, ist man raus. Wegen der Coronakrise haben die 75 TeilnehmerInnen sich ganz eigene Strecken kreuz und quer über Deutschland erstellt. Die Laufuhr sollte alles registrieren, damit man nachher seine Runden auch beweisen kann. Eigentlich ganz einfach. Denkt man erstmal. Unser ehemaliges Mitglied Michael Frenz, den es in die Pfalz verschlagen hat, hat das Ganze organisiert und unsere Mitglieder René Kloberdanz und Mathias De Prest und Familie haben die Herausforderung angenommen.

René

Drei Runden hatte ich mir vorgenommen, denn ich hatte schon über 100 gelaufene Kilometer innerhalb einer Woche in den Beinen.

Meine große Tochter kümmerte sich um die Start- und Ziellinie, der VP war angerichtet, Wechselsachen lagen parat, Fahrräder vorbereitet. Pünktlich um 19 Uhr startete ich zur erste Runde in Begleitung meiner Frau auf dem Rad. Traumhaftes Wetter, sagten sie doch zu Beginn der Woche Gewitter und Dauerregen voraus.

42 Minuten für die erste Runde, die aufgrund der tollen Begleitung zu schnell verging. Nach 18 Minuten Pause startete ich pünktlich um 20 Uhr zur zweiten Runde. Diesmal in Begleitung meiner jüngsten Tochter. Eine sehr unterhaltsame Runde. In der Ferne sahen wir Wolkenbrüche und einen wunderschönen Sonnenuntergang. Wir freuten uns, das der Regen so weit weg war. Nach dem wir zurück waren, regnete es wie aus Eimern. Kurz und heftig. Mit dem Start zur dritten Runde war der Schauer wieder weg. Ich weiß, das andere LäuferInnen nicht soviel Glück hatten.

Auf der dritten Runde wurde ich von meiner großen Tochter begleitet. Nach 40 Minuten waren wir trocken zurück. Ich bin mir sicher, dass mich die ganz Große auch eine Runde begleitet hätte, aber sie war nicht da.

20 Minuten warten bis zur nächsten Runde. Shirts wechseln, essen, trinken und warten. Die Oberschenkel machten sich schon bemerkbar, aber eine Runde geht noch. Diesmal begleitete mich unser Nachbar. Aber auch diese sechs Kilometer waren schon nach 40 Minuten vorüber. Pizza essen, trinken, Shirts wechseln. 

Eine Runde geht noch, wieder war unser Nachbar als Unterhaltung / Begleitung dabei. Um 23:42 Uhr beendete ich meinen Lauf nach 30 Kilometern. Und wer sagte denn, es gebe keine Medaille? Zumindest lag diese auf dem Tisch, als ich nach Hause kam. 🙂 

Dieses Format ist wirklich nicht zu unterschätzen und war als Training sehr gut. Die ganze Zeit war mein vierbeiniger Kumpel nicht mit dabei. Unfair! Nach 5,5 Stunden Schlaf und einen Kaffee liefen wir eine gemeinsame zehn Kilometer Frühsportrunde. Virtuell begleitete ich auch Michael Frenz (Meldeläufer) auf seiner letzten Runden bei dieser / seiner Veranstaltung. 

Auch Mathias de Prest von der LGM und seine Familie waren mit am Start. Wer sie kennt, weiß, wie viel Power sie einzeln und zusammen haben. Ich denke da unter anderem an die 29 Stunden in Zehdenick letztes Jahr. 🙂

Mathias

Silvester habe ich ein paar gute Vorsätze für das neue Jahr ausgesprochen. Es tut mir leid, dass ich gesagt hab, dass es ein spannendes Jahr werden darf, so mit dem Corona hatte ich das nicht gemeint. Läuferisch wollte ich im Februar einen sub3-Marathon laufen, damit ich mich danach noch mal auf ein Ultrajahr konzentrieren konnte. Das mit dem Marathon hat noch geklappt, aber danach war es vorbei. Ich war fit, aber die Welt war es nicht: kein 6-Stunden-Lauf, keine Harzquerung, keine 24 Stunden in Delmenhorst usw. Wie bleibt man da dann aber fit, auf lange Strecken konzentriert und arbeitet man an seine Schwachstellen, wie das Laufen in der Nacht? Da kam dieses Infinity-Loops-Event gerade rechtzeitig.

Obwohl es ja kein Wettkampf im klassischen Sinne war, kam das Wettkampfgefühl in den Tagen zuvor schon auf. Ich habe da zum Glück eine tolle Familie, die das Ganze zwar verrückt findet, sich dann aber doch immer entscheidet zu unterstützen und sogar ein bisschen mitzumachen.

Weil die 6 Km in einer Stunde gar nicht so viel sind und weil keine Langeweile aufkommen sollte, habe ich mir eine Strecke mit ein paar Höhenmetern ausgesucht. Der kleine Berg in der Schönholzer Heide kennen ja einige vom Pankower Frühlingslauf. Dazu gab es noch den Bürgerpark und ein paar Km Mauerweg, muss ja immer sein…

Unser Basecamp war das Vereinsauto. Da war ich schon ein bisschen neidisch auf die Bilder von den Basecamps in sämtlichen Küchen oder Gärtenhäuschen. Weniger neidisch war ich auf das Wetter im Westen, da hatten wir es in Berlin mit nur einigen Schauern ganz gut.

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Auf die erste Runde ging es mit der ganzen Familie. Die 2. und die 3. Runde absolvierte ich noch mit Mira und Jana. Wenn es dann nicht schon 22 Uhr gewesen wäre, hätten die beiden vielleicht noch 1-2 Runden rangehängt.

Mein Plan war es mindestens bis 3 Uhr und bis zum Ultra (48 Km) durchzuhalten. Ich konnte aber ein langsames Tempo einhalten und trotzdem immer eine Pause von fast 20 Minuten rauslaufen und war um 3 noch gar nicht müde. Danach gab es bei jeder Runde irgendwie neue Motivation: zwitschernde Vögel, Sonnenaufgang, erste Spaziergänger… Und gerade als es schwer wurde, stand meine Frau Truus mit frischem Kaffee da, auch da konnte ich dann bei Km 72 nicht aufhören.

Wenn man bei so einem Lauf die Nacht übersteht, kann es noch eine ganze Weile weitergehen, so habe ich gemerkt. Das Format ist auch in dem Sinne super, dass alle gleichzeitig Pause haben und sich dann in der privaten Facebookgruppe austauschen. Wer ist noch dabei? Wie war die Runde? Auch diejenigen die früher aufgehört hatten, fieberten morgens wieder mit. Auch wenn es nicht einfach war, sich nach so einer Pause immer wieder aufzuraffen, hatte ich noch ausreichend Energie. Anders als bei dem Backyard-Ultra Format mit seiner 6,7 Km-Runde, wobei alle außer dem Last Man Standing ein DNF bekommen, ist es bei den Infinity Loops auch motivierend, dass jeder eine Urkunde bekommt.

Es gab zwar eine offizielle Urkunde (siehe unten), aber diese von meiner Tochter hat es mir wirklich angetan…

Es ging mir so gut, dass ich kurz überlegt habe, ob ich die 24 Stunden voll machen soll oder sogar zum ersten Mal die 100 Meilen, aber nach 17 Stunden waren es 102 Km und hatte ich schon viel mehr aus diesem Lauf geholt als ich gedacht hatte. Bei so einem veredelten Trainingslauf soll man ja noch nicht alles geben. Aber genau dann stand Jana noch mal an der Strecke und konnte ich mir mit ihr noch zu einer Zugabe aufraffen. Am Ende waren es also 18 Runden und 108 Km. Ich fühlte mich noch gut, aber nach 18 Stunden laufen sollte man nicht Auto fahren, auch nicht wenn es nur ein paar Km sind. Die 3 Km nach Hause, na ja eigentlich zur Eisdiele, gab es dann also noch als zweite Zugabe.

Mehr als ich zuvor gedacht hatte, war es mir eine Riesenfreude echt zu laufen und mich dazu virtuell mit anderen auszutauschen. Vielen Dank an alle TeilnehmerInnen und an Michael Frenz. Und auch Glückwunsch an alle TeilnehmerInnen. So einfach, wie es erstmal aussieht, ist es nicht. Da hat insbesondere Rebecca Langer eine Wahnsinnsleistung erbracht. Sie hat als Einzige 100 Meilen geschafft.

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Wer nach diesem Bericht auch Lust hat, kann schon mal den 3. Juli in seinen/ihren Kalender schreiben. Um 17 Uhr startet da noch mal ein Infinity Loops Run. Die Informationen dazu teilen wir in den Wochen zuvor aber bestimmt noch mal. Wenn ausreichend Interesse da ist, machen wir eine zusätzliche vereinsinterne Wertung.

Bilder: Familie Kloberdanz und Familie De Prest

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