Wenn die Medaille ein Angelköder* ist, ist der Lauf dazu der „Fishermanstrail“:
Mit den 57 Kilometern in der „Frühlings-Edition“ (den von Holger Schilder liebevoll organisierten Lauf gibt es auch im September als „Sommer-Edition“) um den Plauer See sind Tom und ich in unser Ultra-Jahr gestartet. Mit durchaus Respekt vor der schönen Strecke in Mecklenburg-Vorpommern, denn wir hatten seit Januar nur zwei Läufe über 30km gemacht. Entsprechend entschieden wir uns daher auch für den Frühstart um sieben Uhr, um keine Probleme mit dem CutOff (16 Uhr) zu bekommen. Damit waren wir in bester Gesellschaft, denn fast 20 Läufer standen mit uns am Start (normalerweise sind es hier nur eine Handvoll Frühstarter, wahrscheinlich waren viele diesmal läuferisch nicht so richtig gut über den Winter gekommen).

Kurzes Frühstück dank Frühstart
Mit puderzuckrigem Raureif auf dem Gras war es wirklich noch sehr frisch, knapp über 0 Grad. Tom, der bei unserem letzten Fishermanstrail seine Schuhe im Hotel vergessen, diese noch holen und dann allen hinterhersprinten musste, war dieses Mal ohne Jacke am Start. Zum Glück fand sich noch zum (ersten) Glück sehr spontan eine Leihgabe, die zum (zweiten) Glück nicht meine Laufjacke war, denn die konnte ich sehr gut selber gebrauchen. Zum (dritten) Glück konnten wir also diesmal zusammen starten.
Frostdestotrotz: Die gerade aufgegangen Sonne über dem See war ein so schöner Anblick, dass wir uns auch diesbezüglich zu der Entscheidung zum Frühstart beglückwünschten, die ersten Kilometer waren optisch ein Traum. Nur um das tolle Frühstück in der Fischerhütte, das beim Lauf inklusive ist, war es schade, denn wir hatten hierfür nur knappe 30 Minuten Zeit, während sich das Hauptfeld eine Stunde länger an Brötchen, Kaffee, Fisch, Eiern, regionalem Honig und sonstiger Auflage gütlich tun konnte. Aber ausschweifend brunchen war ja eh keine Option, schließlich wollten wir ja noch laufen…
Nach dem Start ging es gleich auf den SingleTrail, entlang am See. Ich musste ab und zu anhalten zum Gucken und Fotografieren, denn beim Laufen benötigt die Strecke dank Wurzel hier und Stein da durchaus Aufmerksamkeit. Aber es lief sich alles gut weg, auch die wenigen Höhenmeter über steile Stufen und eine Schräge herauf zum VP1 bei Kilometer 10 – theoretischerweise, denn der VP war noch nicht besetzt. Was aber nicht schlimm war, denn wir waren erstens vorgewarnt und hatten ja zweitens (zwar schnell aber) gut gefrühstückt.
Plau am See: Ein kleiner Ort, unglaublich lang
Weiter ging es entlang am See, weiter idyllisch, nur war diese Seite des Sees noch schattig, während wir die pralle Sonne auf der anderen Seite schon sehen konnten. Ein kleiner Ausreißer entlang des Radwegs an der Bundesstraße führte uns dann zu VP2 – spärlich, aber lecker ausgestattet mit Tee und selbstgebackem KirschStreuselKuchen bei Kilometer 22. Hier überholte uns übrigens der erste Läufer aus der 8-Uhr-Startgruppe, der später mit 4:36:36 Stunden ins Ziel lief und somit ganze 19 min Vorsprung auf den zweiten Läufer hatte.
In der Folge führte der Track Richtung Hauptort Plau, der mit kleinem Hafen, Promenade und Unmengen von Ferienhäusern aufwartet. Und heuer mit Sonne satt – unsere Jacken waren längst im Rucksack verschwunden (kennen wir auch anders, bei unserem ersten Fishermanstrail 2020 blies auf der Brücke vor dem Hafen und am Hafen selbst der Wind so fest, dass es der einzige Teil der Strecke war, den ich Jahre später noch vor Augen hatte). Der Ort Plau zieht sich zumindest für Fisherman-Läufer allerdings unglaublich, gut 10 Kilometer vom ersten Ortsschild bis zum VP bei Kilometer 35 gegen Ortsende. Dieser VP war so richtig gut ausgestattet, vor allem gab es neben dem ganzen Süßkram Kartoffeln mit Salz (yummy), aber auch die frische Cola und Apfelschorle verdampften nur so.
Überholende Mitläufer, von schweigsam bis serviceorientiert
Gut gestärkt ging es auf das letzte Drittel, das nur noch wenig See bot, sondern auf weitgehend unbefestigten Wald- und Feldwegen wieder Richtung Ziel führte. Auf dem mental eher öden Stück gab es immer wieder nette Unterhaltungen mit überholenden 8-Uhr-Starten, unter anderem mit Jörn Seelig, der gefühlter Fisherman-Dauerstarter ist und nach einem intensiven Plausch mit uns beneidenswert locker und flott davontrabte. Andere zogen stumm vorbei, schüchtern, rein zielorientiert oder vielleicht auch zu schwach zum Sprechen. Ebenso gab es den serviceorientierten Läufer, der an mich gerichtet riet: „Falls du nochmal in die Büsche musst, nutz unbedingt das Waldstück da vorne, danach kommt erstmal nur freies Feld“. Ok, danke :-P.
Nach ein paar Kilometern Harvester-zerstörtem Waldboden stieß die Strecke bei Kilometer 52 wieder an den See, wo sie dann die letzten 5 Kilometer mehr oder weniger am Wasser entlang zum Ziel Fischerhütte in Alt-Schwerin zurückführte. Das durchquerten wir nach 7:21:50 Stunden und damit mehr als eineinhalb Stunden vor CutOff, sehr beseelt durch den wunderschönen Tag. Belohnt wurden wir mit der besagten Angelhaken-Medaille, der Urkunde und natürlich dem obligatorischen Kaffeebecher (wir haben jetzt jeder drei davon und somit so langsam zu viele Tassen im Schrank…).
Frischer Fisch für die Fischerman-Finisher
Abends fand wie nach diesem Lauf üblich noch das gemeinsame Essen mit der traditionellen „Trilogie vom Fisch“ statt, mit Alternativessen für Veganer und viel Läufergequassel (wer ist dieses Jahr schon wo gelaufen, wie trainiert man für 100 Meilen, welche Tipps für tolle, kleine Läufe haben die Tischgenossen?). Anschließend ging es für uns zurück in unser Hotel, wo wir anderntags beim Frühstück auch noch eine Handvoll Fisherman-Finisher antrafen und somit die Gespräche vom Abend fortsetzen konnten.
PS: Beim gemütlichen Frühstücksplausch konnten wir auch unser persönliches Highlight des Wochenendes zum Besten gaben, das Freitagabend als Dialog am Empfang stattgefunden hatte: Der Hotelangestellte: „Und hier noch ihre Kurkarten. Damit können Sie hier in der Region verschiedene Rabatte bekommen.“ – „Okay… Wir gucken dann morgen mal, ob es an den VPs irgendetwas günstiger gibt…“ – „Ach sooo. Sie sind zu dem LAUF hier. Dann geben Sie mir bitte nochmal die Karten zurück!“ Verwirrter Blick unsererseits, aber wir tun, wie geheißen. Der Hotelangestellte nimmt die Pappkarten, zerreißt sie demonstrativ doppelt und sagt: „Na selbstverständlich brauchen Sie die Kurtaxe dann NICHT zu zahlen. Sie sind ja nicht zum Urlaub bei uns, sondern zum Arbeiten!“
LOL :-D. Vielen Dank, wirklich sympathische Ecke da in Alt-Schwerin. Ich schätze, unser Tassen-Schrank muss größer werden…
* Wer sich über das geänderte Wort (vormals „Angelhaken“) wundert: Der Oberfisherman (Organisator Holger Schilder) hat moniert, dass die Medaille vom Lauf ein Blinker sei und kein Angelhaken. Nunja, es ist ja ein Haken untendran, drei sogar, daher mein naives Wording. Aber ich würde natürlich niemals Menschen mit Angelkompetenz in Frage zu stellen. Da bin ich gar nicht „in der Szene“. Daher geändert und somit „abgehakt“ ;-).

















